08. Sep 2006 15:48
Der Ex-Vize des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, sieht den Westen nicht nur durch Terroristen, sondern auch durch Staaten wie den Iran bedroht. Die Antwort des Westens darauf bezeichnete er als «sehr oberflächlich».
Der CDU-Politiker forderte eine Auseinandersetzung darüber, «inwieweit wir diese Bedrohung aushalten können, die eine Bedrohung nicht nur durch kleine terroristische Grüppchen, sondern durch ganze Staaten und ihren Bevölkerungen ist». Nach Friedmans Einschätzung empfinden «über eine Milliarde Menschen» den Westen «als Feind, als das schlimmste, was überhaupt existieren kann». Ein Teil der Staatsführer «skandalisiert diese Feindbilder bis zur Vernichtung hin», sagte er. Die Reaktion der westlichen Welt darauf sei demgegenüber «eine sehr oberflächliche».
Friedman ist überzeugt, dass die Situation eine Herausforderung sei, «der man nicht mit Videokameras und Anti-Terror-Dateien allein begegnen kann». «Das alles sind Placebos», weil es letztendlich hinter der terroristischen Bedrohung eine «denktheoretische» Bedrohung gebe: Der Westen könnte nicht nur durch Terroristen, «also Soldaten ohne Uniform», sondern in klassischer Kriegsführung bedroht sein, analysiert Friedman. Deswegen hätten «wir auch zu Recht Angst vor einer atomaren Aufrüstung des Iran», betonte er. «Wir müssen uns mit dieser Auseinandersetzung stellen oder wir werden verlieren.»
Mit Blick auf die Bemühungen für eine Befriedung im Nahen Osten lobte Friedman, «dass die Uno und auch endlich Europäer und Deutsche sich dafür engagieren, das Potenzial terroristischer Zerstörung zu bekämpfen, das die ganze westliche Welt bedroht». Der Einsatz der UN- und der deutschen Truppen hat nach Friedmans Ansicht «nicht nur vordergründig eine Schutzfunktion für Israel, sondern ist letztendlich eine Schutz für Deutschland selbst». Sich in diesem Konflikt aktiv zu engagieren, sei «eine konstruktive und richtige Entscheidung».