10. Aug 2006 14:55
Frustration und Angst in Heathrow: Nach den verhinderten Anschlägen auf Flugzeuge sind die Sicherheitskontrollen auf Europas größtem Flughafen erheblich verschärft worden. Es sei «die Hölle», klagt eine Betroffene.
Von Katie Fretland«Ich hasse diesen Flughafen.» Mit diesen Worten spricht die 18-jährige Studentin Kendra Webb aus San Francisco am Donnerstag wohl vielen Reisenden in London aus dem Herzen. Frustration und Angst machen sich breit, seit ein vereitelter Terroranschlag mitten in der Ferienzeit den größten Flughafen Europas fast zum Erliegen brachte.
Die Warteschlagen in Heathrow reichen quer durch die Hallen bis nach draußen, bewaffnete Polizisten patrouillieren in den Terminals und die Mitarbeiter der Fluglinien können die vielen Anfragen der Reisenden kaum noch bearbeiten. Einige Passagiere stehen geduldig stundenlang in Schlangen, die kaum voranzukommen scheinen. Andere geben auf und lassen sich einfach zwischen ihre Gepäckstücke auf den Boden fallen. «Das ist die Hölle», sagt Webb, die mit Verwandten zu Hause telefoniert. «Ich will jetzt einfach eine Zigarette.» Die Britische Flughafenbehörde warnt alle Reisenden vor massiven Verspätungen und strengen Sicherheitsmaßnahmen. Die Passagiere müssen jetzt ihr gesamtes Gepäck aufgeben, Handgepäck ist nicht mehr erlaubt. Nur wenige persönliche Gegenstände dürfen mit in die Kabine genommen werden - in transparenten Plastikbeuteln.
British Airways sagte am Donnerstag mehr als 200 Flüge ab. Heathrow wurde für alle ankommenden Flüge aus Europa geschlossen, viele Fluglinien strichen Flüge nach London. Einige Maschinen konnten in London starten, allerdings mit deutlichen Verspätungen. Normalerweise starten und landen auf dem Londoner Flughafen täglich 1250 Maschinen.
«Es ist zum Fürchten», sagt die amerikanische Lehrerin Fran Barkan, die eigentlich nach New York fliegen will. «Der gesamte Flug wird quälend sein. Es wird kein entspannter Flug werden - wenn wir heute überhaupt starten.»
Die langen Wartezeiten entstehen durch die aufwändigen Sicherheitskontrollen. So müssen Mütter kleiner Kinder vor den Augen der Sicherheitsbeamten Babymilch probieren, bevor sie die Flasche mit an Bord nehmen dürfen. «Es ist das absolute Chaos», sagt Vanessa Lee, die eigentlich Freunde in Italien besuchen wollte. «Die Computer von Ryanair stürzen immer wieder ab, weil sie all die Änderungen nicht verarbeiten können.» (AP)