«Massenmord» in Flugzeugen abgewendet
10.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Sicherheitskräfte am Londoner Flughafen Heathrow
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Polizei in London spricht von einem «unvorstellbaren Ausmaß»: Die Behörden in Großbritannien haben Anschläge auf mehrere Flugzeuge vereitelt. Erste Verdächtige sind aber schon wieder auf freiem Fuß.
Nach Einschätzung der britischen Polizei hätte es zu einem «Massenmord von unvorstellbarem Ausmaß» kommen können. Die Behörden konnten nach eigenen Angaben Pläne von Terroristen vereiteln, die gleich mehrere Flugzeuge auf dem Weg zwischen Großbritannien und den USA in die Luft sprengen wollten. Bei einer gemeinsamen Aktion hätten Polizeikräfte und der Geheimdienst MI5 25 Verdächtige festgenommen, von denen allerdings vier inzwischen wieder frei gelassen worden seien, sagte der stellvertretende Chef von Scotland Yard, Paul Stephenson.
Die Frage, ob es sich bei den Festgenommenen vor allem um muslimische Briten handele, wollte Stephenson nicht beantworten. Er sagte lediglich, es gehe «nicht um eine besondere Gruppe». Sowohl die Fahndung nach weiteren möglicherweise Beteiligten als auch die Ermittlungen befänden sich «in einem sehr frühen Stadium», betonte er.
Bis zu 50 VerdächtigeBritische Behörden hatten am Morgen mitgeteilt, ein Komplott von Terroristen für Anschläge auf mehrere Maschinen aufgedeckt zu haben. Details wurden zunächst nicht bekannt. Aufgrund verschärfter Sicherheitsmaßnahmen kam es zu Chaos auf den Flughäfen des Landes. Der Flugverkehr kam weitgehend zum Erliegen. Auch deutsche Airlines strichen viele Flüge auf die britische Insel.
Angesichts der laufenden Fahndung riefen die Behörden die amtliche Terror-Warnstufe «critical» also kritisch aus. Scotland-Yard-Vize Stephenson betonte, die Sicherheitskräfte würden «alles tun, was für den Schutz der Öffentlichkeit erforderlich ist».
US-Sicherheitskreise sprachen von bis zu 50 Menschen, die an den Terror-Plänen beteiligt gewesen sein sollen. Sie hätten zwar noch nicht im Flugzeug gesessen, seien dem Abflug aber sehr nahe gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Das Terrornetzwerk Al Qaeda gelte als möglicher Drahtzieher, hieß es unter Berufung auf einen nicht genannten Gewährsmann.
Auch USA reagierenDer britische Regierungschef Tony Blair ließ sich in seinem Urlaub in der Karibik telefonisch von den Vorgängen unterrichten. Auch die USA reagierten: Für Flüge nach Großbritannien sei ebenfalls die höchste Terror-Warnstufe ausgegeben. Seine Behörde sei nicht sicher, ob die Gefahr vollständig ausgeschaltet sei, begründete Heimatschutz-Minister Michael Chertoff die Entscheidung in Washington. (nz)