10. Aug 2006 09:54, ergänzt 16:40
Nach der Aufdeckung von Anschlagsplänen in Großbritannien haben Lufthansa und Air Berlin zahlreiche Flüge abgesagt. An deutschen Flughäfen ist zudem mit größeren Verspätungen zu rechnen.
Der Terroralarm der britischen Behörden hat am Donnerstag im gesamten europäischen Flugverkehr für Behinderungen gesorgt. Am schwersten betroffen war der Londoner Flughafen Heathrow, wo tausende Passagiere in den Abflughallen warteten. Die Fluggesellschaft British Airways sagte alle Kurzstreckenflüge von und nach Heathrow bis zum Spätnachmittag ab. Viele europäische Fluglinien strichen ihre Verbindungen nach London.
Vor den Abfertigungsschaltern in London bildeten sich lange Warteschlangen, weil die Fluggäste kein Handgepäck mit an Bord nehmen durften. Ausnahmen galten nur für Reisedokumente, Brillen und einige wenige andere Wertsachen. Elektrische Geräte wie Laptops oder Handys mussten aufgegeben werden. Britische Anti-Terror-Spezialisten hatten nach Angaben des Innenministeriums Bombenanschläge auf mehrere Passagierflugzeuge mit dem Ziel USA vereitelt. 21 Personen wurden festgenommen.
Auch in Deutschland wurden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Die Luftsicherheitsmaßnahmen seien der Gefährdungslage angepasst und bereits seit längerem in Deutschland auf hohem Niveau, hieß es aus dem Bundesinnenministerium, ohne dass Einzelheiten genannt wurden. Auf den deutschen Flughäfen saßen tausende Passagiere fest.
Die Londoner Flughäfen seien auf Grund der Sicherheitsmaßnahmen überfüllt und könnten keine Maschinen mehr abfertigen, sagte ein Sprecher der Berliner Flughäfen.
Eine Sprecherin der Lufthansa sagte, rund 30 Flüge nach London seien gestrichen worden. Rund 5000 Passagiere seien betroffen. Drei Maschinen aus Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf hätten umkehren und zurückfliegen müssen. Auch die Maschinen der Gesellschaften easyjet, British Airways, AirBerlin und Ryanair mit Ziel London mussten am Boden bleiben.Andere europäische Flughäfen teilten mit, sie könnten von Heathrow umgeleitete Flüge aufnehmen, sollte dies notwendig werden. Die Fluggesellschaft Air France sagte am Donnerstag alle Flüge nach Heathrow ab. Eine Sprecherin erklärte, der Londoner Flughafen sei überfüllt, Sicherheitsbedenken gebe es nicht. Alle Flüge von Brüssel nach Heathrow wurden gestrichen, wie der Flughafen in der belgischen Hauptstadt erklärte.
Die spanische Iberia sagte vier Flüge nach London ab. Fünf weitere Flüge sollten mit Verspätungen starten. Die niederländische Gesellschaft KLM strich fünf Flüge nach Heathrow und warnte für den ganzen Tag vor beträchtlichen Wartezeiten für die Passagiere. Die italienische Alitalia teilte mit, sechs Flüge von London seien abgesagt worden. Die italienische Regierung erklärte, die Sicherheitskontrolle an den Flughäfen würden verstärkt.
Die SAS strich Flüge von Stockholm, Kopenhagen und Oslo nach Heathrow. Auch alle Flüge von Athen zu den Londoner Flughäfen fielen aus.
Die Fluggesellschaft American Airlines, die nach Angaben aus Geheimdienstkreisen Ziel eines Anschlags werden sollte, strich drei Flüge von Chicago, Boston und New York nach London. Dies geschehe, um den Flughafen Heathrow zu entlasen, erklärte Sprecher John Hotard. Auch drei Flüge am Nachmittag und Abend in die Gegenrichtung wurden abgesagt. Für die verbleibenden 13 Flüge in beide Richtungen rechnete die Airline mit Verspätungen. (nz)