Generalbundesanwalt Nehm ermittelt in Dahab
25. Apr 2006 18:13, ergänzt 22:52
 |  Blutiger Fußabdruck | Foto: dpa |
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Auch Generalbundesanwalt Nehm ermittelt nun wegen der Anschläge in Ägypten. Grund dafür ist das deutsche Opfer. Bundeskanzlerin Merkel versprach, den Kampf gegen den Terror fortzusetzen.
Die Anschläge in Ägypten beschäftigen auch Generalbundesanwalt Kay Nehm. Weil es deutsche Opfer gebe, sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft am Dienstag.
Der Weltsicherheitsrat in New York forderte alle Länder zur Zusammenarbeit auf, um die Täter, ihre Hintermänner und die Geldgeber zur Rechenschaft zu ziehen. In einer von allen 15 Mitgliedern gebilligten Erklärung hieß es, der Terrorismus sei eine «der ernstesten Bedrohungen des internationalen Friedens und der Sicherheit» und könne nie gerechtfertigt werden.Bei den Anschlägen am Montagabend im ägyptischen Badeort Dahab waren mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch ein zehnjähriger Junge aus Baden-Württemberg. Die Mutter und ein Freund der Familie seien verletzt worden. Sie befänden sich im internationalen Krankenhaus von Scharm el Scheich und würden dort von deutsch sprechenden Ärzten behandelt.
Ein siebenköpfiges Team der deutschen Botschaft kümmert sich vor Ort um die Opfer. Zum Team zählen auch die Vertrauensärztin der Botschaft und ein Dolmetscher. Ungarn gab am Abend bekannt, dass auch eine ungarische Touristin ums Leben kam.
Zehn Festnahmen
Die ägyptische Polizei hat am Dienstag insgesamt zehn Verdächtige festgenommen. Eine heiße Spur zu den Tätern gibt es jedoch noch nicht. Die Zufahrtsstraßen nach Dahab sind gesperrt. Die Polizei verstärkte die Sicherheitsvorkehrungen an allen Häfen und Flughäfen des Landes. Zu den zehn ägyptischen Verdächtigen gehören nach Angaben aus Sicherheitskreisen drei Computerspezialisten aus Kairo, die einen Tag vor den Anschlägen in Dahab angekommen waren und den Ort kurz nach den Explosionen wieder verlassen wollten. Die restlichen sieben Festgenommenen hätten in Dahab gearbeitet, hieß es. Augenzeugen sagten, die Bomben seien wahrscheinlich in Säcken versteckt und per Zeitzünder vor einem Souvenirgeschäft und auf der Uferpromenade von Dahab kurz hintereinander detoniert worden.
Das Auswärtige Amt aktualisierte seine Sicherheitshinweise und warnte vor weiteren Anschlägen. Für alle Reisenden bestehe in ganz Ägypten eine erhöhte Gefährdung.Ägyptens Innenminister Habib al-Adli versprach, die Schuldigen aufzuspüren. «Die Terrorbekämpfung funktioniert nur, wenn alle zusammenstehen», sagte er im ägyptischen Fernsehen.
Kondolenz aus Deutschland
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die Anschläge als «Menschen verachtendes Verbrechen». Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, die Anschläge machten erneut auf schreckliche Weise deutlich, «dass Terroristen in ihrem blinden Hass vor nichts zurückschrecken». Merkel und Steinmeier sprachen den Familien und Freunden der Opfer ihr «tiefes Mitgefühl» aus. Zugleich sagten sie, der weltweite Kampf gegen den Terrorismus müsse entschieden fortgesetzt werden.Die meisten Todesopfer waren Ägypter. Nach Behördenangaben starben auch jeweils ein Urlauber aus Russland und der Schweiz. Es konnten noch nicht alle Opfer identifiziert werden.
Der ägyptische Badeort Dahab liegt nördlich der Touristenhochburg Scharm el Scheich am Golf von Akaba und gilt als Taucher-Paradies. Reiseveranstalter boten wegen der Anschläge Umbuchungen an. Ausflüge auf der Sinai- Halbinsel wurden teilweise gestoppt. (nz)