25.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Einer der Anschlagsorte in Dahab
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die ägyptische Polizei hat nach den Anschlägen in Dahab zehn Verdächtige festgenommen. Laut dem Gouverneur der südlichen Sinai-Region waren Selbstmord-Attentäter am Werk.
Am Ortsrand von Dahab haben ägyptische Fahnder nach den Terroranschlägen mit mehr als 20 Toten zehn Verdächtige festgenommen. Das wurde am Dienstag aus Sicherheitskreisen in Kairo bekannt.
Zu den drei Sprengstoffanschlägen vom Montagabend hat sich bislang niemand bekannt. Der Gouverneur der südlichen Sinai-Region, Mohammed Hani geht von Selbstmord-Attentätern aus, wie der arabische Fernsehsender Al Dschasira auf seiner Website berichtet. Das ägyptische Fernsehen hatte zuvor gemeldet, die Bomben seien ferngezündet worden. Vertreter der Polizei sagten, sie hätten keine verlässlichen Hinweise.
Gefälschte NummernschilderLaut Polizei-Angaben sind drei der Festgenommenen erst am Sonntag in Dahab angekommen. Eine Viertelstunde nach den Explosionen hätten sie versucht, mit gefälschten Nummernschildern aus dem Ort zu fliehen.
Der ägyptische Innenminister Habib el Adli sagte, es seien 20 Ägypter und drei Ausländer ums Leben gekommen. Mitarbeiter eines Krankenhauses erklärten, ein weiterer Ägypter sei seinen Verletzungen erlegen. Kabinettssprecher Magdi Radi erklärte hingegen später, zwölf Ägypter und sechs Ausländer seien getötet worden. Der Grund für die unterschiedlichen Angaben war zunächst unklar.
Ägypter und Ausländer verletztUnter den mehr als Verletzten sind zahlreiche Ausländer - neben zwei Deutschen auch Dänen, Briten, Italiener, Franzosen, Australier, Südkoreaner, Amerikaner, Israelis, Libanesen und Einwohner der Palästinensergebiete. Nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums wurden 42 Ägypter und 17 Ausländer verletzt.
Die Sprengsätze explodierten laut Polizei am Abend in einem Innenstadtbezirk mit vielen Restaurants, Geschäften und Hotels. In Dahab wurden am Montag sowohl das koptische Osterfest als auch das ägyptische Frühjahrsfest Schem al Nessim gefeiert. Die Explosionen waren so gewaltig, dass Taucher am Dienstag auch im Meer Leichenteile fanden.
Internationale EmpörungDer ägyptische Präsident Husni Mubarak sprach von einem Terrorakt. US-Präsident George W. Bush verurteilte die Anschläge als «abscheuliche Tat gegen unschuldige Zivilisten». Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich tief bestürzt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: «Die schrecklichen Bilder aus Dahab erfüllen uns alle mit Entsetzen und mit großer Trauer.» Die Bundesregierung warnte in ihren Sicherheitshinweisen vor weiteren Anschlägen in
Ägypten.
Die Europäische Union verurteilte die «verabscheuungswürdigen Anschläge» und sprach den Familien der Opfer ihr Beileid aus. Der russische Präsident Wladimir Putin sprach von «barbarischen Explosionen», die Tod und Leid über viele Menschen unterschiedlicher Nationalität gebracht hätten. Ein Sprecher der von der radikalislamischen Hamas geführten palästinensischen Regierung erklärte, die Anschläge seien ein Angriff «gegen alle menschlichen Werte».
Touristische Ziele Es war bereits das dritte Mal innerhalb von zwei Jahren, dass Terroristen touristische Ziele auf der Sinai-Halbinsel angegriffen haben. Nach den Anschlägen in Taba und kleineren Küstenorten im Oktober 2004 und Scharm el Scheich im Juli des folgenden Jahres hatten sich die Ermittlungen auf örtliche Beduinenstämme konzentriert. Zunächst war aber auch angenommen worden, dass islamistische Extremisten hinter den Terrorakten stehen könnten.
Nach dem Anschlag auf israelische Touristen in Taba hatten Menschenrechtsorganisationen der ägyptischen Polizei vorgeworfen, sie habe ohne konkrete Verdachsmomente hunderte von «Verdächtigen» festgenommen und zum Teil schwer misshandelt. (nz)