Kritik in den USA: «Guantánamo ist eine nationale Schande»:
In den USA wächst Kritik an Guantánamo
17. Feb 2006 20:38
 |  Häftling in Guantánamo (r.) auf dem Weg zum Waschraum | Foto: dpa |
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Nicht nur das Ausland kritisiert das Internierungs-Lager Guantánamo auf Kuba. Die Bush-Regierung sieht sich verstärkt Kritik aus dem eigenen Land ausgesetzt.
Von Christiane OelrichDas umstrittene Ausländergefängnis in Guantánamo auf Kuba wird für die US-Regierung immer mehr zum Klotz am Bein. Nicht nur im Ausland wächst Kritik an der Endlosinternierung der rund 500 Männer, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit teils seit vier Jahren mit harschen Verhörmethoden drangsaliert werden. Doch die Regierung von Präsident George W. Bush wehrt jede Kritik ab und beansprucht die Alleingewalt über die Gefangenen. «Trust me» - vertraut mir, sagt Bush immer wieder. «Wir können uns an keinen Präsidenten erinnern, der dieses Vertrauen weniger verdient hat», schrieb die «International Herald Tribune».
Ein vernichtendes Urteil von UN-Menschenrechtsexperten tut das Weiße Haus als schlampige Arbeit ab. Das Team sei nicht mal an Ort und Stelle gewesen und käue nur alte Unterstellungen von Freigelassenen und Anwälten wider, sagte Präsidentensprecher Scott McClellan. Das hatte einen Grund: die UN-Experten wollten sich dort nicht nur vom US-Militär herumführen lassen. Doch weil Kontakte mit den Gefangenen verboten sind, verzichteten sie auf den Besuch.
Choreografierte Besuche
Grund für die Skepsis ist offensichtlich angebracht: jeder Besuch folgt einer strengen Choreografie. Da wird die leere Zelle gezeigt, mit schönem Bett und Decke, und auch von weitem das Lager mit den kooperativsten Gefangenen, die auf der Wiese Fußball spielen. Und ein Verhör, in dem der Ermittler den Gefangenen höflich nach etwaigen Terrorkontakten fragt.«Irgendwann merkten wir, dass es immer derselbe Gefangene und derselbe Beamte waren», sagte Jackie Northam, die Reporterin des öffentlichen Rundfunksenders NPR, die sechs Mal auf der Militärbasis war, am Freitag. «Wir fragten uns, ob das eine Hollywood-Produktion war.»
Woanders sah sie dann eine Art Baseball-Ausrüstung, mit Helm und Schlägern, die nach ihren Angaben Wachleute mitunter anlegen, wenn sie in die Zellenblocks gehen. «Wir wissen, dass es sich bei ihnen um gefährliche Terroristen handelt», sagt McClellan lapidar.
Verspieltes Vertrauen
Spätestens seit dem Misshandlungsskandal von Abu Ghoreib ist das Vertrauen, dass die Amerikaner stets und auch fernab des Rampenlichts die Standards von Fairness und Gerechtigkeit hochhalten, verspielt. Dass die Regierung das als Schandtat Einzelner abtat, tat ihrem Image weiteren Abbruch. Kein hochrangiger Militärvertreter wurde dafür zur Verantwortung gezogen.
PR ohne Erfolg
Bush hat seine Vertraute Karen Hughes beauftragt, das Image der Vereinigten Staaten im Ausland aufzumöbeln, bislang ohne sichtbaren Erfolg. Studentinnen in Saudi-Arabien zeigten sich befremdet, als Hughes ihnen vorschwärmte, dass Frauen in den USA Auto fahren dürften. Die US-Regierung verweist auch gerne etwa auf die Erdbebenhilfe für Pakistan.Doch darum geht es nicht: Die Großzügigkeit der Amerikaner an sich ist unumstritten, Proteste richten sich gegen die empfundene Großmannssucht und Arroganz der Regierung in Washington und die selbstherrliche Art, mit der sie über das Schicksal fremder Menschen bestimmt. Guantánamo ist dafür zum Symbol geworden.
«Guantánamo ist eine nationale Schande», sagte Ex-Präsident Jimmy Carter im vergangenen Jahr. «Ein grausamer Vorposten, der die Glaubwürdigkeit, die die USA, die US-Normen der Demokratie und Bürgerfreiheiten in aller Welt verbreiten wollen, untergräbt», meine der «San Francisco Chronicle». Die Forderung nach Schließung des Lagers werden auch im eigenen Land immer lauter. Bislang ignoriert die Bush-Regierung das. (dpa)