Kritik in den USA: «Guantánamo ist eine nationale Schande»:
In den USA wächst Kritik an Guantánamo
17.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Das umstrittene Ausländergefängnis in Guantánamo auf Kuba wird für die US-Regierung immer mehr zum Klotz am Bein. Nicht nur im Ausland wächst Kritik an der Endlosinternierung der rund 500 Männer, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit teils seit vier Jahren mit harschen Verhörmethoden drangsaliert werden. Doch die Regierung von Präsident George W. Bush wehrt jede Kritik ab und beansprucht die Alleingewalt über die Gefangenen. «Trust me» - vertraut mir, sagt Bush immer wieder. «Wir können uns an keinen Präsidenten erinnern, der dieses Vertrauen weniger verdient hat», schrieb die «International Herald Tribune».
«Irgendwann merkten wir, dass es immer derselbe Gefangene und derselbe Beamte waren», sagte Jackie Northam, die Reporterin des öffentlichen Rundfunksenders NPR, die sechs Mal auf der Militärbasis war, am Freitag. «Wir fragten uns, ob das eine Hollywood-Produktion war.»
Woanders sah sie dann eine Art Baseball-Ausrüstung, mit Helm und Schlägern, die nach ihren Angaben Wachleute mitunter anlegen, wenn sie in die Zellenblocks gehen. «Wir wissen, dass es sich bei ihnen um gefährliche Terroristen handelt», sagt McClellan lapidar.
Doch darum geht es nicht: Die Großzügigkeit der Amerikaner an sich ist unumstritten, Proteste richten sich gegen die empfundene Großmannssucht und Arroganz der Regierung in Washington und die selbstherrliche Art, mit der sie über das Schicksal fremder Menschen bestimmt. Guantánamo ist dafür zum Symbol geworden.
«Guantánamo ist eine nationale Schande», sagte Ex-Präsident Jimmy Carter im vergangenen Jahr. «Ein grausamer Vorposten, der die Glaubwürdigkeit, die die USA, die US-Normen der Demokratie und Bürgerfreiheiten in aller Welt verbreiten wollen, untergräbt», meine der «San Francisco Chronicle». Die Forderung nach Schließung des Lagers werden auch im eigenen Land immer lauter. Bislang ignoriert die Bush-Regierung das. (dpa)

