15. Feb 2006 16:52, ergänzt 20:24
Der australische Fernsehkanal SBS hat neue Bilder aus dem US-Gefängnis Abu Ghraib im Irak ausgestrahlt. Darauf sind schwerere Misshandlungen an irakischen Häftlingen zu sehen, als bisher bekannt.
Die bislang zurückgehaltenen Aufnahmen seien Ende 2003 zeitgleich mit den Fotos entstanden, die den Folterskandal von Abu Ghraib ausgelöst hatten, erklärte der Sender. Zu sehen seien noch weit schlimmere Misshandlungen als auf den bislang bekannten Fotos. Unter anderem soll dort ein Mann mit aufgeschlitzter Kehle, einer mit massiven Kopfverletzungen sowie ein Insasse mit schweren Verbrennungen am Arm zu sehen sein.Die US-Regierung nannte die Veröffentlichung der Bilder «unglücklich». Sie könnten die Stimmung in der muslimischen Welt neu «aufheizen», sagte der Rechtsberater von Außenministerin Condoleezza Rice, John Bellinger, in Washington.
Mitgliedern des US-Kongresses seien die Aufnahmen vorgelegt worden. Sie seien
«schockiert» gewesen, da die Bilder «den vollständigen Horror der Misshandlungen in Abu Ghoreib darlegen», teilte der Sender mit. SBS-Produzent Mike Carey sagte, sein Sender habe Hunderte von Aufnahmen erhalten. «Die Bilder enthüllen zusätzlich den verbreiteten Missbrauch, einschließlich Mord, Folter und sexuelle Erniedrigung.»
Zur Quelle machte SBS keine Angaben, zeigte sich aber von der Glaubwürdigkeit der Aufnahmen überzeugt. Offenbar gehörten sie zu einer Reihe von Bildern, deren Herausgabe die Amerikanische Bürgerrechtsunion (ACLU) von der US-Regierung verlangt, erklärte der Sender. Die Beschreibung der ACLU entspreche den Inhalten der Aufnahmen.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte im Mai 2004 vor dem Senat erklärt, dass nicht alle bekannten Bilder des Abu-Ghraib-Skandals veröffentlicht worden seien. Dazu zählten nach seinen Angaben Bilder physischer Gewalt, die als «sadistisch, grausam und unmenschlich» beschrieben werden müsse.
Bellinger nannte die Bilder ebenfalls «abscheulich» und «Zeugnis eines verwerflichen Verhaltens», wies aber zugleich darauf hin, dass sie nichts Neues zeigten und die Verantwortlichen inzwischen zur Rechenschaft gezogen worden seien. Vor diesem Hintergrund hätte es die Regierung lieber gesehen, wenn die Aufnahmen nicht veröffentlicht worden wären - nicht, um etwas geheim zu halten, sondern um ein «Anfachen der Flammen» in der muslimischen Welt zu vermeiden, sagte der Anwalt.
Die von SBS ausgestrahlten Aufnahmen zeigen unter anderem Verletzungen und sexuelle Handlungen. Auch Leichen sind auf den Bildern zu sehen. (nz)