CIA-Gefangenenflüge: Bundesregierung unter Druck:
Bundesregierung in CIA-Affäre unter Druck
05.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Die Bundesregierung erklärte am Montag, sie wisse derzeit nicht, ob der frühere Bundes- Innenminister Otto Schily (SPD) über die Verschleppung eines terrorverdächtigen Deutschen informiert war. «Mir und damit dieser Bundesregierung liegen derzeit keine Erkenntnisse vor zu den Berichten eines vertraulichen Gesprächs des vormaligen US-Botschafters Coats mit dem vormaligen Bundesinnenminister», sagte der Regierungssprecher Ulrich Wilhelm.
Regierungssprecher Wilhelm und der Vize-Sprecher des Auswärtigen Amtes, Jens Plötner, sagten in Berlin, bisher gebe es nur den Artikel aus der «Washington Post». Nun müssten die Nachforschungen im Bundesinnenministerium abgewartet werden. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, der Bericht der «Washington Post» werde geprüft. Ob Schily bei der Prüfung befragt werde, sei noch offen. Von Schily selbst gab es zunächst keine Stellungnahme.
Wilhelm und die Ministeriumssprecher betonten, zunächst müsse mit den USA geklärt werden, ob es Flüge oder ähnliche Aktionen gegeben habe. Erst dann sei zu klären, ob die Bundesregierung davon gewusst habe. Die Regierung verwies auf Zusagen der USA, ihr Verhalten bewege sich im Rahmen internationalen Rechts. Wilhelm sagte, die Affäre bedeute keine Belastung der Beziehung der neuen Regierung zu den USA.
US-Außenministerin Condoleezza Rice verteidigte indessen vor dem Abflug nach Deutschland die Geheimtransporte von Terrorverdächtigen. Sie machte aber keine Angaben darüber, ob Berichte über angebliche CIA-Geheimgefängnisse in Europa zutreffen. «Die USA transportieren Gefangene nicht - und haben nicht transportiert - von einem Land zum anderen mit dem Ziel eines Verhörs unter Folter», sagte sie.
Auch der Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), verlangte von Schily Aufklärung der Vorwürfe. «Darin steckt der erhebliche Vorwurf, dass der deutsche Innenminister, der zugleich Verfassungsminister ist, die Entführung eines deutschen Staatsbürgers stillschweigend hingenommen hätte», sagte er der Netzeitung.
Die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Silke Stokar, vertrat die Auffassung, dass die neue Bundesregierung informieren müsse. «Wir haben bereits beantragt, dass der Bundesinnenminister in der nächsten Sitzung des Innenausschusses am 14. Dezember umfassend Stellung nimmt», sagte sie der Netzeitung. Es bestehe «erheblicher Aufklärungsbedarf». Die Öffentlichkeit habe ein Recht zu erfahren, «welche Regierungsmitglieder von diesen CIA-Flügen Kenntnis hatten». (nz)

