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Angehörige in London suchen nach Vermissten

08. Jul 2005 11:38, ergänzt 19:35
Blumen in der Nähe eines Tatorts
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Noch immer suchen Angehörige nach Vermissten, die sich seit den Anschlägen in London nicht gemeldet haben. Die Polizei vermutet weitere Tote in einem U-Bahnschacht, der vom Einsturz bedroht ist und deshalb nicht betreten werden kann.

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Die Suche nach Vermissten nach den Terroranschlägen in London ging auch am Freitag weiter. Angehörige suchten in Krankenhäusern und mithilfe von Fotos im BBC-Fernsehen nach Freunden oder Verwandten, die am Donnerstag im morgendlichen Berufsverkehr unterwegs waren und bislang verschollen sind. Am Donnerstag waren nach den Attentaten auf drei U-Bahnen und einen Doppeldecker-Bus mehr als 100.000 Anrufe bei einer speziellen Notfallnummer der Polizei eingegangen.

Noch immer sind nicht alle Waggons geborgen, weil in einigen der U-Bahntunneln Einsturzgefahr besteht. Somit ist auch die genaue Zahl der Toten nicht endgültig belegt. Der Chef der Londoner Polizei, Ian Blair, hatte auf einer Pressekonferenz am Freitag bestätigt, dass mindestens 50 Menschen umgekommen seien. 22 Patienten in den Krankenhäusern befänden sich noch in kritischem Zustand.

Der britische Innenminister Charles Clarke hat vor neuen Attentaten in London gewarnt. «Wir müssen das Risiko eines weiteren Anschlags ernst nehmen», sagte er dem Fernsehsender BBC. Deshalb werde die Regierung «alles daran setzen, die Täter zu finden».

Bekennerschreiben

Die Polizei habe noch nicht ausgeschlossen, dass die Anschläge von Selbstmordattentätern verübt worden seien, sagte Clarke. Auch das Bekennerschreiben, das von der bislang unbekannten «Geheimorganisation - Al Qaeda in Europa» am Donnerstag auf einer Website im Internet veröffentlicht wurde, nimmt man laut Clarke «sehr ernst».

Die Sprengsätze wurden möglicherweise mit Zeitzündern zur Detonation gebracht. Das gehe aus Beweisstücken hervor, die aus den Trümmern geborgen worden seien, sagte ein namentlich nicht genannter Anti-Terror-Experte der Nachrichtenagentur AP. Die Ermittler gingen nicht davon aus, dass die Bomben wie bei den Anschlägen in Madrid mit Mobiltelefonen gezündet worden seien, da diese in U-Bahn-Tunneln häufig nicht funktionierten. Eine Bestätigung dafür, dass es sich um Selbstmordanschläge gehandelt haben könnte, lagen nach Angaben des Ermittlers zunächst nicht vor.

Nahverkehr wieder in Betrieb

Der öffentliche Nahverkehr wurde am Freitagmorgen unter starken Sicherheitsvorkehrungen wieder in Betrieb genommen. Die Behörden kündigten eine verstärkte Polizeipräsenz in der gesamten Stadt an. Zwei der von den Attentaten betroffenen U-Bahnstationen sind wieder komplett in Betrieb, in drei weiteren fährt der Bahnverkehr eingeschränkt. Kurzzeitig wurden am Freitagmorgen auch die U-Bahnstationen «Charing Cross», «Euston» und «Liverpool Station» wegen verdächtiger Gegenstände geräumt. Die Aktion erwies sich jedoch als Fehlalarm.

Die Londoner Verkehrsbehörden hatten die Bürger am Freitagmorgen dazu aufgerufen, nach Möglichkeit nicht zur Arbeit zu gehen, um kein Verkehrschaos zu provozieren.

Nach offiziellen Angaben wurden bei den Bombenexplosionen 37 Menschen getötet und rund 700 verletzt. Angesichts der hohen Zahl von Schwerverletzten wird allerdings mit einem Anstieg der Todesopfer gerechnet. In bislang unbestätigten Berichten war bereits am Donnerstag von bis zu 50 Opfern die Rede.

 
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