netzeitung.deOpferfamilien klagen in New York gegen Motassadeq

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Mounir El Motassadeq (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mounir El Motassadeq
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mounir El Motassadeq steht in Hamburg als Terrorhelfer vor Gericht. In New York haben Angehörige der Opfer des 11. September nun Klage gegen ihn eingereicht - sie wollen Schadenersatz.

Gegen den als Terrorhelfer angeklagten Mounir El Motassadeq haben Angehörige der Opfer des 11. September 2001 Schadenersatzforderungen eingereicht. Der Anwalt der Nebenklage, Andreas Schulz, sagte am Mittwoch vor dem Hamburger Oberlandesgericht, dass mehrere Familien bei einem New Yorker Gericht einen Antrag auf Schadenersatz gegen 300 Personen eingereicht hätten, darunter auch den Angeklagten.

Wenn Motassadeq in Hamburg freigesprochen würde, werde man auch in Deutschland versuchen, zivilrechtliche Ansprüche gegen ihn geltend zu machen. Für das Zivilverfahren sei es egal, ob Motassadeq im Hamburger Terrorprozess von den Vorwürfen freigesprochen werde, da die Beweisführung eine andere sei.

Bei der Zivilklage in Deutschland gehe es darum, die Beträge, die dem Marokkaner bei Freispruch als Entschädigung für seine Untersuchungshaft gezahlt werden, einzuklagen. Motassadeq, der im Frühling nach zweieinhalb Jahren Haft entlassen wurde, stehen laut Schulz bei einem Freispruch rund 30.000 bis 50.000 Euro zu.

Motassadeq und die weiteren beklagten Terrorverdächtigen müssen sich innerhalb von zwei Monaten in New York gegen die Ansprüche zur Wehr setzen. «Läuft die Frist ab, wird er verurteilt», sagte Schulz. Motassadeq darf Hamburg wegen des Prozesses vor dem Oberlandesgericht nicht verlassen.

Motassadeq und die anderen Beklagten wurden über eine so genannte öffentliche Zustellung in englisch-sprachigen und arabischen Zeitungen aufgefordert, vor dem zuständigen Bezirksgericht in New York binnen 60 Tagen nach Kenntnisnahme zu erscheinen. Sollten sie dies nicht tun, können sie laut Schulz auch in Abwesenheit verurteilt worden.

Zeugin sagt aus
In dem Prozess gegen Motassadeq wurde am Mittwoch eine weitere Zeugin gehört. Die Kriminalbeamtin sagte aus, dass bei der Durchsuchung von Motassadeqs Keller kurz nach den Anschlägen vom 11. September Disketten mit Terrorhandbüchern gefunden worden seien.

Diese Disketten seien von der Polizei in Kisten entdeckt worden, die der Angeklagte für den Terroristen Mohammed Atta aufbewahrt habe. Atta war der Pilot der ersten Maschine, die in New York ins World Trade Center gelenkt wurde. Atta habe die Datei mit der Terror-Anleitung gelöscht, sie seien aber mit Hilfe einer Spezialsoftware rekonstruiert worden.

Motassadeq war 2003 vom Oberlandesgericht zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aber auf. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 30 Jahre alten Elektronikstudenten Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. (nz)