netzeitung.deErste Spuren zu den Attentätern

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Die Hinweise auf Bin Ladens Verantwortung für die Attentate verdichten sich: US-Ermittler fingen Telefonate einer Terroristengruppe ab, in denen Anschläge auf US-Ziele diskutiert wurden. In Boston gab es erste Verhaftungen. Thema: Terror in den USA Weltweites Entsetzen über die Anschläge Experten hoffen auf die «Voice-Recorder» Bin Laden unter Verdacht Irak: «Cowboys ernten Früchte ihrer Verbrechen» Behörden befürchten tausende Tote in New York Terror gegen die USA: Bush sieht Amerikas Grundfesten nicht erschüttert

Einen Tag nach der Terror-Serie in den USA gibt es noch keine Gewissheit über die Täter, jedoch viele Verdachtsmomente: Ermittler fingen nach Angaben von CNN zwei Telefongespräche der Osama bin Laden nahestehenden Gruppe al Qaeda ab. In den Gesprächen wurden Terroranschläge auf US-Ziele diskutiert.

Nach Zeitungsinformationen identifizierten Ermittler außerdem mindestens vier Verdächtige aus dem Nahen Osten, die an dem Anschlag auf das World Trade Center und das Pentagon beteiligt gewesen sein sollen.

Die Taliban-Regierung in Afghanistan hat eine Auslieferung bin Ladens nicht ausgeschlossen. Falls US-Ermittler Beweise dafür hätten, dass bin Laden hinter den Anschlägen stehe, könne eine Auslieferung erwogen werden, sagte der Botschafter der Taliban-Regierung am Mittwoch in Pakistan.

Angeblich neue Erkenntnisse
Amerikanische Ermittler sind nach US-Medienberichten «90 Prozent sicher», dass bin Laden hinter den verheerenden Terroranschlägen in New York und Washington steckt. «Dies ist keine Annahme, es handelt sich um neue Informationen», sagte ein hoher Beamter, der anonym bleiben wollte, dem Sender NBC.

In Deutschland sagte Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier, westliche Geheimdienste hätten Hinweise auf Spuren zu bin Laden. Allerdings hätte kein Geheimdienst mit Anschlägen in den USA gerechnet.

Nach Angaben des «Boston Herald» hatte ein US-Richter im Juni den 12. September als Tag der Urteilsverkündung im Prozess gegen einen Mann bestimmt, dem eine Beteiligung am Anschlag auf die US-Botschaft in Tansania nachgewiesen wurde. Das Gerichtsgebäude liegt in der Nähe des World Trade Centers. Osama bin Laden gilt als der Drahtzieher des Sprengstoffanschlags in Tansania.

Verhaftungen in Boston und Florida
Wie der «Boston Herald» berichtet, stellte die Polizei am Flughafen von Boston ein Mietauto - einen Mitsubishi Sedan - sicher, in dem in arabischer Sprache verfasste Fluganleitungen für Piloten gefunden wurden. Die Behörden hätten fünf Araber als Verdächtige identifiziert, darunter einen ausgebildeten Piloten, berichtete die Zeitung.

In Boston hat die amerikanische Bundespolizei mehrere Menschen in einem Hotel verhaftet, berichtet CNN. Spezialeinheiten der Polizei haben demnach das Gebäude gestürmt. Ob es sich um mögliche Tatbeteiligte handelt oder um Zeugen, blieb zunächst unklar.

Ermittlungen in Flugschule
Auch in Südflorida soll es zu ersten Festnahmen gekommen sein. Weiter hieß es, das FBI ermittele in einer Flugschule. Nach unbestätigten Berichten waren nach den Anschlägen in einem Fahrzeug in einer Bostoner Flughafen-Parkgarage Flugtrainings-Handbücher gefunden worden.

Die US-Behörden gehen davon aus, dass mindestens jeweils ein Terrorist in den vier entführten Maschinen eine Pilotenausbildung besaß.

Mindestens zwei Verdächtige hätten von Portland im US-Bundesstaat Oregon aus einen Flug nach Boston genommen. Vom dortigen Flughafen aus waren zwei der entführten Linienflüge gestartet. Die Verdächtigen sollen über Kanada in die USA gekommen sein.

Gepäck gefunden
Das Gepäck eines der beiden wurde nicht rechtzeitig umgeladen. Darin fand die Polizei eine Kopie des Koran, ein Video über das Fliegen kommerzieller Flugzeuge und eine Berechnungsgrundlage für Benzinverbrauch, wie die Zeitung berichtete.

Zudem habe der Name eines Passagiers in einem der beiden Flugzeuge, die am Dienstag auf das World Trade Center in New York stürzten, bei den Ermittlern Alarm ausgelöst. Das FBI habe den Namen in seinem Zentralcomputer gefunden, berichtete NBC. Die Polizei wollte diese Berichte nicht kommentieren.

Tathergang rekonstruiert
Laut «Boston Herald» töteten die Entführer einer Maschine kurz nach dem Start in Boston die Flugbegleiter. Als die Piloten aus dem Cockpit zu Hilfe eilten, überwältigten die Terroristen sie. Dann übernahmen sie selbst das Steuer. Die Attentäter seien nur mit Messern bewaffnet gewesen, hieß es.
Gruppe aus Kaschmir dementiert
Eine fundamentalistische Untergrundgruppe aus Kaschmir dementierte Berichte, wonach sie Drahtzieher der Anschläge sei. Ein Sprecher der von Pakistan aus operierenden Rebellen wies jede Verantwortung für die Tat zurück. Zuvor war der Nachrichtenagentur AFP ein Bekennerschreiben zugegangen, laut dem die Anschläge von einem Selbstmordkommando der Gruppe verübt worden waren.(nz)