netzeitung.deAlles Käse

 Herausgeber: netzeitung.de

Die Gene des Bakteriums, das Milch zu Käse werden lässt, sind entschlüsselt. Bald könnte es Käse geben, der mit gentechnisch veränderten Helfern hergestellt wird.

BERLIN. Das Käse-Genom ist entziffert! Nicht ganz, aber der für die Herstellung von Käse wichtigste Mikroorganismus hat seine Gene nun preis gegeben. Lactococcus lactis lässt schon an seinem Namen die Affinität zu Milchprodukten erahnen. Die Forscher um Alexej Sorokin vom Sequenzierzentrum Genoscope in Paris legen jetzt die komplette Sequenz im Fachmagazin Genome Research vor.
Atmung
Lactococcus lactis gehört zu den Milchsäurebakterien. Er hat insgesamt 2310 Gene, 363 davon sind spezifisch für Laktokokken. Eine Überraschung für die Forscher: Das Bakterium hat Gene, die ihm einen aeroben Stoffwechsel, also Sauerstoffatmung, ermöglichen sollten. Bisher war man davon ausgegangen, dass Milchsäurebakterien ausschließlich Gärung betreiben.
Gen-Käse?
Wozu das Ganze? Das Verständnis der Gene könnte zu einer besseren Beherrschbarkeit der Fermentierungsprozesse bei der Käseherstellung führen. Auch gentechnische Veränderungen sind denkbar, die sogar neue Geschmacksrichtungen und Käsesorten möglich machen könnten. Die Gentechnik ist in der Käseherstellung nicht neu: Das wichtige Lab-Enzym wird längst nicht mehr aus Kälbermägen gewonnen, sondern gentechnisch hergestellt. Und auch ein weiteres Käse-Enzym namens Chymosin wird gentechnisch verändert und in der Käseproduktion eingesetzt.

Lactococcus lactis ist auch eng mit Krankheitserregern wie etwa Streptococcus pneumoniae verwandt, der Lungenentzündungen auslösen kann. Auch in der Medizin könnten die Gene des Käsemachers also hilfreich sein.


Für das Web ediert von Richard Friebe