15. Okt 2007 12:33, ergänzt 16:07
Islamische Traditionen werden in Deutschland oftmals mit Skepsis gesehen. Umso verwunderlicher, dass nun sowohl Katholiken und Protestanten als auch Juden auf die Muslime und ihre Bedürfnisse zugehen.
Nach Kramers Ansicht kann der Moscheebau somit auch «zu einem wirksamen Kampf gegen die Islamisten sehr viel beitragen. Wir sollten dies als Chance und nicht als Bedrohung verstehen». Überdies sei das jüdisch-christliche Fundament Deutschlands «stark genug, um die Muslime als gleichberechtigte Partner anzunehmen und einzubinden».Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, meinte, es sei besser, Muslime beteten in Moscheen als in Hinterhof-Betstätten. Derzeit gebe es eine «groß angelegte Moscheebau-Initiative», sagte Huber am Montag in Berlin. Vor diesem Hintergrund sei die Frage erlaubt, inwieweit dies eine «Befriedigung religiöser Bedürfnisse» sei und inwiefern «hier Machtansprüche zum Ausdruck kommen». Zurzeit seien mehr Moscheen geplant oder im Bau als bereits in Deutschland vorhanden.
Nach Angaben des Islamarchivs in Soest sind in Deutschland zurzeit 184 Moscheen im Bau oder in Planung. Bereits genutzt würden 159 Moscheen. Dazu kommen etwa 2600 Gebets- und Versammlungshäuser und außerdem Schulmoscheen und islamische Gebetsstätten.
Unterstützung kam auch von katholischer Seite. Muslime hätten ein Recht auf «würdige Gotteshäuser», sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Allerdings muss seiner Ansicht nach beim Moschee-Bau darauf geachtet werden, dass dieser auch in das historisch gewachsene Stadtbild passe. Der Präsident des Laienzentralkomitees plädierte dafür, gegenüber dem Islam «ohne Zugeständnisse» an allen westlichen Grundwerten festzuhalten.
Zugleich sollten Traditionen der Muslime respektiert und toleriert werden. Dazu gehöre auch das Tragen des Kopftuches. «Die Zeiten, in denen es für eine Frau selbstverständlich war, nicht mit Hosen und nur mit Kopfbedeckung den Gottesdienst zu besuchen, ist ja auch in der katholischen Kirche noch nicht so lange her.»
Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden verwies ebenfalls auf die Integration von Muslimen, die nur dann eine Chance auf Erfolg habe, sofern der «respektvolle Umgang miteinander» gewahrt werde. Es dürfe nicht nur um Toleranz gehen. «Respekt ist das Schlüsselwort», sagte Kramer und fügte hinzu: «Wenn die Muslime aus den Hinterhöfen rauskommen, wird sich auch die Akzeptanz in der deutschen Gesellschaft und das gesunde Selbstbewusstsein innerhalb der muslimischen Gemeinde als deutsche Staatsbürger muslimischen Glaubens einstellen.»
Der Bau von Moscheen sei daher «ein wichtiges Symbol für die tatsächliche Anerkennung der Muslime und den respektvollen Umgang mit ihnen». Gleichwohl sei die Anerkennung «natürlich» auch mit Pflichten für die Muslime verbunden. Dazu zähle die «Anerkennung der Grundwerte unserer Verfassung und der aktive Eintritt dafür», sagte Kramer.
Der Zentralrat der Ex-Muslime kritisiere das ZdK scharf. «Die Verharmlosung der vielen neu geplanten Moscheebauten in Deutschland fördert nur die Radikalisierung zwischen Muslimen und den deutschen Mitbürgern, aber auch innerhalb der Muslime», sagte die Vorsitzende Mina Ahadi der «Leipziger Volkszeitung». Aus falscher Toleranz würden die Augen vor der Wirklichkeit verschlossen. Radikale islamische Organisationen würden mit viel Geld aus dem Nahen Osten, auch aus dem Iran, in Europa versuchen, an Macht und politischen Einfluss zu gewinnen. Dies sei auch mit der lobenswerten Religionsfreiheit nicht länger zu vereinbaren. Mehr Moscheen bedeuteten auch mehr Kopftuch und Schleier und mehr Isolation der nächsten Generation in der deutschen Gesellschaft. (mit dpa, epd)