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Sorge über «enthemmten Umgang» mit NS-Sprache

19. Sep 2007 10:54
Neonazi mit kahlrasiertem Kopf (Archivbild)
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Erst Eva Herman, dann Kardinal Meisner: Beide verhedderten sich mit unglücklichen Formulierungen in der Nazi-Ideologie. Der Zentralrat der Juden fürchtet Nachahmungstäter.

Die umstrittenen Äußerungen von Kölns Kardinal Joachim Meisner könnten nach Ansicht des Zentralrats der Juden in Deutschland bei Jugendlichen als Vorbild für die Benutzung des Wortes «entartet» dienen. Wenn diese Begriffe von Persönlichkeiten verwendet werden, deren Wort in der Gesellschaft Gewicht hat, dann könnten rechtsgerichtete Jugendliche denken, sie dürften das auch, sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, am Dienstagabend im Sender N24.

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Meisner hatte am vergangenen Freitag bei einer Predigt anlässlich der Einweihung des Kölner Diözesan-Museums Kultur ohne Gottesbezug als «entartet» bezeichnet und eine Welle der Empörung ausgelöst. Kramer warf dem Kardinal vor, diejenigen auszugrenzen, die nicht an Gott glaubten und fügte hinzu: «Ich will jetzt nicht sagen, er disqualifiziert sie, aber es geht schon sehr in diese Richtung».

Kramer beklagte fehlende Sensibilität im Umgang mit der Sprache: «Es fällt allerdings auf, dass immer enthemmter ehemalige nationalsozialistische Sprache benutzt wird». Es werde auch «immer enthemmter» über den Nationalsozialismus gesprochen, sagte Kramer mit Hinweis auf die «familienpolitische Diskussion, die stattgefunden hat».

Der Kölner Erzbischof fühlt sich wegen seiner Rede missverstanden. Das in seiner Predigt gebrauchte Wort «entartet» im Zusammenhang mit Kunst sei in verkürzter Form wiedergegeben und «aus dem Zusammenhang» gerissen worden, schrieb Meisner in einem Beitrag für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Allerdings räumte er ein, dass der Begriff «entartet» für die Substanz seiner Aussage nicht notwendig gewesen sei. (ddp)

 
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