01. Sep 2007 11:13
Sie ist «wunderschön». Vor 1000 Gästen ist die Synagoge in der Berliner Rykestraße wiedereröffnet worden. Die Sanierung hat mehr als fünf Millionen Euro gekostet.
Sichtlich gerührt sagte sie, das Gotteshaus sei «sehr schön» geworden. Für mehr als fünf Millionen Euro war die Synagoge im Stadtteil Prenzlauer Berg in den vergangenen Jahren saniert worden.Voll des Lobes über die mit Tausenden von Lichtern ausgestattete größte deutsche Synagoge waren auch viele andere der rund 1000 Gäste der Einweihung. Gekommen waren unter anderen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD), der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe sowie Holocaust-Überlebende und Rabbiner aus mehreren Ländern.
Mit der Einbringung der Thorarollen in ihren prachtvollen Schrein über dem Altar wurde das Haus wieder seiner Bestimmung als Ort des Gebets übergeben. Am Abend sollte in der Synagoge der erste Sabbat-Gottesdienst seit der Sanierung gefeiert werden. Mit der Einweihung der Synagoge begannen gleichzeitig die bis zum 9. September dauernden Jüdischen Kulturtage.
Diese Kulturveranstaltungen seien eine gute Möglichkeit, um gegen «Vorurteile und Verleumdung» vorzugehen, betonte Knobloch. Die Veranstaltungen erlaubten «einen Dialog auf Augenhöhe» zwischen Juden und Nichtjuden. Es gebe in Deutschland immer noch Antisemitismus, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, mahnte sie.
Erst kürzlich hätten sich menschenverachtende Ausschreitungen ereignet, die jeden Demokraten entsetzten und gegen die sich die gesamte Gesellschaft stellen müsse.
Innensenator Körting sagte, er sei stolz und dankbar, dass jüdisches Leben und Kultur inzwischen wieder in Berlin zu Hause seien und Juden sich in der Stadt «wieder heimisch» fühlten. Es werde nicht zugelassen, dass Juden angegriffen und bedroht würden, «von wem auch immer», versicherte der Senator.
An die Menschen, die früher in der liberalen Synagoge gebetet hatten und später von den Nazis in Konzentrations- und Arbeitslagern ermordet worden waren, erinnerte Rabbiner Chaim Rozwaski. Ihrer gedenke er in Trauer, aber er hege auch Dankbarkeit gegenüber den wenigen Frauen und Männern, «die versucht haben, uns zu helfen».
Dass heute wieder Juden in Berlin lebten, dass er heute in dieser Synagoge stehen könne, bereite ihm eine große Freude, sagte der Rabbiner, der durch die Judenvernichtung selbst als Kind seine gesamte Familie verloren hatte. Er fügte hinzu: «Es ist ein Wunder. Unsere Anwesenheit hier ist Zeuge, dass Gott existiert». Ziel sei es jetzt, wieder ein reiches jüdisches Leben in Berlin aufzubauen.
Verantwortlich für die Sanierung des Hauses, das 1903/04 von Johann Hoenig erbaut worden war, zeichneten die Architekten Ruth Golan und Kay Zareh. Sie richteten das Gotteshaus weitgehend originalgetreu wieder her, obwohl von seinem ursprünglichen Zustand nur drei Schwarz-Weiß-Fotos zeugten. Auf den Scheiben der Fenster im Erdgeschoss wird die biblische Schöpfungsgeschichte - jeweils in Deutsch und Hebräisch - nacherzählt. Dem Sabbat wurde ein besonders gestaltetes Fenster am Aufgang zur Frauenempore gewidmet.
Früher bot die Synagoge rund 2000 Gläubigen Platz, heute gibt es 1100 Sitzplätze. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die Jüdische Gemeinde in Berlin zwischen 270.000 und 280.000 Mitglieder, heute sind es etwas mehr als 12 000. (Von Claudia Pietsch, ddp)