Erste Schau über «Juden im deutschen Fußball»
03.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die Ausstellung «Kicker, Kämpfer und Legenden - Juden im deutschen Fußball» wird am 12. September im Centrum Judaicum in Berlin eröffnet. Zu den Festrednern zählt Theo Zwanziger, Geschäftsführender Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die Schau der Stiftung Neue Synagoge Berlin-Centrum Judaicum ist die erste umfassende Ausstellung zu diesem Thema. In der bis zum 15. Dezember geöffneten Schau sind unter anderem Filmaufnahmen und Fotos, aber auch historische Stücke wie Postkarten, Wimpel und Anstecknadeln zu sehen.
Namen wie Walther Bensemann (1873-1934), Gottfried Fuchs (1889- 1972), Julius Hirsch (1892-1943 ermordet in Auschwitz), Kurt Landauer (1884-1961) und Richard «Little» Dombi, eigentlich Richard Kohn (1888-1963), sind heute nur noch wenigen ein Begriff. Dabei leisteten sie seinerzeit für den Fußball Pionierarbeit. «Diese jüdischen Fußballer, Trainer, Journalisten und Funktionäre machten den Fußball in Deutschland populär», sagt die Kuratorin der Schau, Swantje Schollmeyer. «Ihr Vorbild war das Fußballmutterland England und dessen Ideale wie Fairplay, Toleranz und Weltoffenheit.»
Der Visionär Walther Bensemann kann als Gründervater des Fußballs in Deutschland gelten. Er etablierte die aus England kommende Sportart hier zu Lande, er organisierte auch 1898 das erste Fußballspiel zwischen einer deutschen und einer ausländischen einer französischen - Mannschaft. Unter seiner Mitwirkung wurde am 28. Januar 1900 der Deutsche Fußballbund (DFB) gegründet.
Fuchs erzielte bei den Olympischen Spielen in Stockholm 1912 einen bis heute ungeschlagenen nationalen Rekord. Er schoss bei dem 16:0- Sieg gegen Russland 10 Tore. Der Kronprinz überreichte ihm dafür einen Ehrenpokal. Auch am frühen Erfolg des FC Bayern München waren Juden beteiligt - Vereinspräsident Kurt Landauer und Trainer Richard «Little» Dombi. Dombi, bei den unterschiedlichsten Vereinen tätig, war einer der erfolgreichsten Trainer Europas. Als der FC Bayern München zum ersten Mal den deutschen Meistertitel errang, wurden Landauer und Dombi wie Helden gefeiert.
Mit der Multimedia-Ausstellung soll ein breites Publikum, nicht zuletzt Fußballfans, angesprochen werden. «Wir wollen auch zeigen, was heute auf deutschen Fußballplätzen los ist und dabei hässliche Seiten wie antisemitische und fremdenfeindliche Parolen nicht aussparen», erklärt Simon. Während der Schau gibt es regelmäßig Projekttage mit Schülern.(dpa)

