netzeitung.deErste Schau über «Juden im deutschen Fußball»

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DFB-Chef Theo Zwanziger ist Festredner der Ausstellung (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe DFB-Chef Theo Zwanziger ist Festredner der Ausstellung
Foto: dpa
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Jüdische Fußballer, Trainer, Journalisten und Funktionäre haben den Fußball in Deutschland populär gemacht, sagt die Kuratorin der ersten Ausstellung zum Thema. Ab 12. September werden in Berlin Filme, Fotos und Wimpel gezeigt.

Von Thomas Kunze

Die Ausstellung «Kicker, Kämpfer und Legenden - Juden im deutschen Fußball» wird am 12. September im Centrum Judaicum in Berlin eröffnet. Zu den Festrednern zählt Theo Zwanziger, Geschäftsführender Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die Schau der Stiftung Neue Synagoge Berlin-Centrum Judaicum ist die erste umfassende Ausstellung zu diesem Thema. In der bis zum 15. Dezember geöffneten Schau sind unter anderem Filmaufnahmen und Fotos, aber auch historische Stücke wie Postkarten, Wimpel und Anstecknadeln zu sehen.

Namen wie Walther Bensemann (1873-1934), Gottfried Fuchs (1889- 1972), Julius Hirsch (1892-1943 ermordet in Auschwitz), Kurt Landauer (1884-1961) und Richard «Little» Dombi, eigentlich Richard Kohn (1888-1963), sind heute nur noch wenigen ein Begriff. Dabei leisteten sie seinerzeit für den Fußball Pionierarbeit. «Diese jüdischen Fußballer, Trainer, Journalisten und Funktionäre machten den Fußball in Deutschland populär», sagt die Kuratorin der Schau, Swantje Schollmeyer. «Ihr Vorbild war das Fußballmutterland England und dessen Ideale wie Fairplay, Toleranz und Weltoffenheit.»

Gründervater des Fußballs in Deutschland
In einer Videoinstallation wird im ersten Teil der Ausstellung die Entwicklung des deutschen Fußballs am Beispiel dieser fünf Protagonisten dargestellt. Filme erzählen die Erfolgsgeschichten der jüdischen Fußballpioniere Deutschlands vor 1933. «Ohne jüdische Enthusiasten wäre Fußball wohl niemals in Deutschland so schnell populär geworden», betont Hermann Simon, Initiator der Schau und Direktor des Centrum Judaicum.

Der Visionär Walther Bensemann kann als Gründervater des Fußballs in Deutschland gelten. Er etablierte die aus England kommende Sportart hier zu Lande, er organisierte auch 1898 das erste Fußballspiel zwischen einer deutschen und einer ausländischen einer französischen - Mannschaft. Unter seiner Mitwirkung wurde am 28. Januar 1900 der Deutsche Fußballbund (DFB) gegründet.

10 Tore in einem Olympia-Spiel
Legendär sind die beiden jüdischen Fußballer Gottfried Fuchs und Julius Hirsch. Beide kickten beim Karlsruher FV, damals einer der erfolgreichsten Vereine Deutschlands. Der Karlsruher Innensturm, zu dem Fuchs und Hirsch zählten, habe ihm mit seinen technischen Kunststückchen und Kombinationszügen so imponiert, «dass ich sie heute noch in der Erinnerung nachziehen könnte», erinnerte sich einmal der spätere Trainer der Deutschen Nationalmannschaft Sepp Herberger.

Fuchs erzielte bei den Olympischen Spielen in Stockholm 1912 einen bis heute ungeschlagenen nationalen Rekord. Er schoss bei dem 16:0- Sieg gegen Russland 10 Tore. Der Kronprinz überreichte ihm dafür einen Ehrenpokal. Auch am frühen Erfolg des FC Bayern München waren Juden beteiligt - Vereinspräsident Kurt Landauer und Trainer Richard «Little» Dombi. Dombi, bei den unterschiedlichsten Vereinen tätig, war einer der erfolgreichsten Trainer Europas. Als der FC Bayern München zum ersten Mal den deutschen Meistertitel errang, wurden Landauer und Dombi wie Helden gefeiert.

Auch «hässliche Seiten» zeigen
Es ist der letzte Erfolg von Juden im deutschen Fußball. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 werden sie aus dem Sportleben gedrängt und verfolgt. Manchen jüdischen Fußballaktivisten gelingt die Flucht ins Exil, viele werden mit ihren Familien in den Vernichtungslagern ermordet.

Mit der Multimedia-Ausstellung soll ein breites Publikum, nicht zuletzt Fußballfans, angesprochen werden. «Wir wollen auch zeigen, was heute auf deutschen Fußballplätzen los ist und dabei hässliche Seiten wie antisemitische und fremdenfeindliche Parolen nicht aussparen», erklärt Simon. Während der Schau gibt es regelmäßig Projekttage mit Schülern.(dpa)