netzeitung.deZentralrat der Juden kritisiert Steinmeier

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Charlotte Knobloch (Foto: Margrit Schmidt<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Charlotte Knobloch
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Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat Außenminister Steinmeier wegen seiner Nahost-Äußerungen scharf angegriffen. Diese seien zu einseitig - auf Kosten Israels.


Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Äußerungen von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zur Offensive im Libanon scharf kritisiert. Vizepräsident Dieter Graumann nannte es bedauerlich, dass Steinmeier «offenbar mit zweierlei Maß misst». «Seine öffentliche Verurteilung der Raketenangriffe auf israelische Zivilisten haben wir bis jetzt vermisst», sagte er am Freitag in Berlin.

Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch warnte vor einseitiger Kritik: «Die Verantwortung für die aktuelle Situation trägt nicht Israel, sondern die libanesische Regierung, die seit Jahren nicht ihrer Verpflichtung nachkommt, die terroristische Hisbollah aufzulösen», sagte sie.

«Vollmundig und vorschnell»
«Diejenigen, die heute so vollmundig und vorschnell Israel ein unangemessenes Vorgehen unterstellen, müssen sich fragen lassen, wie sie reagieren würden, wenn sie selbst unter ständiger Bedrohung durch Raketenangriffe leben müssten», sagte Vizepräsident Salomon Korn. Graumann ergänzte, wer selbst nicht vom Raketenterror betroffen sei, sollte «vorsichtig und zurückhaltend mit guten Ratschlägen oder Verurteilungen wegen angeblich mangelnder Verhältnismäßigkeit sein».

Steinmeier hatte am Donnerstag in Stralsund gesagt, er habe zwar Verständnis dafür, dass sich jedes Land verteidigen müsse, wenn es angegriffen werde. «Wir sagen aber auch, dass bei Verfolgung und Reaktion angemessene Mittel gewahrt werden müssen.» Die Zerstörung der libanesischen Infrastruktur gehöre seiner Ansicht nach «nicht zu den notwendigen Schritten».

Das Auswärtige Amt bemühte sich am Freitag um Schlichtung. Die Bemühungen der Bundesregierung zielten auf eine Deeskalation und eine Beruhigung der Lage, damit sich wieder diplomatische Optionen eröffneten, sagte der stellvertretende Sprecher Jens Plötner. Sowohl im Gazastreifen als auch an der Nordgrenze Israels seien israelische Soldaten getötet oder als Geiseln genommen worden. (nz)