netzeitung.deFDP «unzufrieden» mit Holocaust-Vermittlung

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Cornelia Pieper (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Cornelia Pieper
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FDP- Bundesvize Pieper hat die Vermittlung des Themas Nationalsozialismus in Schulen als unzureichend kritisiert. Im Gespräch mit der Netzeitung verlangt sie «neue Akzente» für die Lehrerausbildung.

Von Dietmar Neuerer

Die stellvertretende Vorsitzende des Bildungs- Ausschusses im Bundestag, Cornelia Pieper (FDP), hat die Kultusministerkonferenz aufgefordert, die Ausbildung von Geschichtslehrern speziell beim Thema Nationalsozialismus auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. «Ich bin unzufrieden mit dem Status quo», sagte Pieper der Netzeitung. «Bei der jetzigen Lehrerausbildung muss man neue Akzente setzen.»

Pieper, die auch die Vize-Vorsitzende der Liberalen ist, forderte, bei der Ausbildung der Geschichtslehrer müsse «verstärkt darauf gedrängt werden, dass dieser Teil der Geschichte intensiv behandelt wird«. Dazu sei auch das Gespräch mit den Betroffenen nützlich. «Die Zeit schreitet voran, und viele Holocaust-Überlebende werden in wenigen Jahren nicht mehr am Leben sein», warnte Pieper. «Deshalb sollte man die Chance nutzen, Zeitzeugen in die Schulen einzuladen.»

Pieper hält es auch für sinnvoll, Schulen zum Besuch von KZ-Gedenkstätten zu verpflichten. «Es gehört in den Verantwortungsbereich eines jeden Geschichtslehrers, das Verständnis für das Thema Nationalsozialismus im Unterricht zu vermitteln», sagte Pieper. Deshalb sei es «selbstverständlich», mit den Schülern ein Konzentrationslager oder eine Gedenkstätte zu besuchen.

Ablehnend äußerte sich Pieper zur Forderung des Zentralrats der Juden in Deutschland nach einem bundesweit einheitlichen Schulfach «Nationalsozialismus». Zwar müssten die Schulen «diesem Teil der deutschen Geschichte mehr Aufmerksamkeit» widmen, sagte die FDP-Politikerin. «Das sollte aber im Geschichtsunterricht stattfinden und nicht in einem speziellen Fach.» Der Nationalsozialismus habe auch eine «Vorlaufzeit» gehabt, erläuterte Pieper. «Insofern gehört das Thema eingebettet in ein Gesamtgeschichtsbild, das die Zeit an sich, aber auch die Zeit davor beleuchtet.»

Die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, meinte hingegen im Gespräch mit der Netzeitung: «Es ist dringend notwendig, den Geschichtsunterricht neu zu gestalten, weil das Thema Nationalsozialismus darin viel zu kurz kommt.» Ausweg könne ein eigenes Schulfach sein. «Das müsste gesetzlich so geregelt werden, dass es bundesweit gilt.» Bildungsorganisationen reagierten zurückhaltend bis ablehnend auf den Vorschlag.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Schleswig- Holsteins Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD), zeigte sich zurückhaltend. «Der Holocaust wird auch in anderen Fächern wie Deutsch, Politik/Sozialkunde, Ethik, Religion thematisiert», sagte sie der Netzeitung. «Ob ein eigenständiges Fach Nationalsozialismus diese vielfältigen Fachbezüge adäquat auffangen kann, erscheint fraglich.»