23.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Nazi-Diktator Adolf Hitler
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
SPD-Vorstandsmitglied Annen hat sich für eine Neuausrichtung der Bildungsarbeit zum Holocaust ausgesprochen. Er plädierte dafür, hierfür das von der Bundesregierung initiierte «Bündnis für Erziehung» zu nutzen.
Der Sprecher der Projektgruppe «Rechtsextremismus» des SPD-Parteivorstands, Niels Annen, hat die bisherige Vermittlung des Themas Nationalsozialismus in Schulen als unzureichend kritisiert und zum Handeln aufgefordert. «Die Art und Weise der Bildungsarbeit zum Nationalsozialismus und der Schoa war und ist (...) mehr als nur überdenkenswert», schreibt Annen in einem Gastbeitrag für die Netzeitung. «Allzu häufig» beschränke sich die pädagogische Auseinandersetzung auf «ein Kapitel im Geschichtsbuch der Mittelstufe und bei etwas engagierten Lehrerinnen und Lehrern vielleicht noch auf den Besuch einer KZ- Gedenkstätte».
Die Schüler sieht der SPD-Rechtsextremismus- Experte demnach bei diesem Thema «nicht so sehr überfordert als gar nicht gefordert». Deshalb bedürfe es einer «viel intensiveren und vor allem anschaulicheren» Bildungs- und Erziehungsarbeit, um «von dem Unfassbaren wenigsten einen Teil verstehen zu können», schreibt er. «Denn nur durch eine verbesserte Bildungsarbeit lässt sich Verantwortungsbewusstsein für das eigene Handeln und die eigene Geschichte vermitteln.»
Annen reagiert mit seiner Einschätzung auf eine Analyse des Zentralrats der Juden in Deutschland. Dessen Generalsekretär Stephan Kramer hatte in der Netzeitung scharfe Kritik an der Art geübt, wie in Deutschland der Holocaust vermittelt wird. «Die Art und Weise, wie Bildungsarbeit zum Holocaust in den letzten 20 Jahren in Deutschland betrieben wurde, ist völlig kontraproduktiv», sagte Kramer. «Sie führt zum Gegenteil dessen, was wir erreichen wollen.» Er riet dazu, vor allem Jugendliche mit dem Thema Holocaust nicht zu überfordern.
«Religion muss in den Hintergrund»In seinem Gastbeitrag für die Netzeitung schlägt Annen vor, über das von der Bundesregierung iniitierte «Bündnis für Erziehung» Korrekturen an der Bildungsarbeit zum Holocaust einzuleiten. «Nur sollte dieses Bündnis dann wirklich stark gesellschaftlich ausgeweitet werden», verlangt er. Die «religiös orientierte Basis der Gründung» müsse mehr in den Hintergrund treten. «Denn schließlich sind Werte und Normen der demokratischen Gesellschaft universell und das Erinnern an die Schoa, an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Bildungsarbeit dazu auch.»
Annen plädiert vor diesem Hintergrund dafür, bei der Bildungsarbeit auch das Wissen der Forschung und der Museumspädagogik einzubeziehen. «Die Forschung zum Nationalsozialismus und zur Schoa ist in Deutschland neben Israel und den USA - weltweit am ausgeprägten und auf hohem wissenschaftlichen Niveau», erläutert er. «Dieses Wissen sollten wir uns nutzbar machen für eine neue und verbesserte Bildungsarbeit zum Nationalsozialismus.»
Appell an «gemeinsame Verantwortung»Als «positive Ansatzpunkte», wie man zu einer verbesserten Bildungs- und Geschichtsarbeit kommen könnte, nennt Annen überdies das Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Berliner Bezirk Mitte sowie «viele» Gedenkstätten, die ihre Ausstellungen verändert und teilweise «vom Kopf auf die Füße gestellt» hätten. Auch das auf einer Privat-Initiative basierende Projekt der «Stolpersteine» trägt nach Ansicht Annens dazu bei, «Geschichte und Schicksale zu verdeutlichen und aus dem Abstrakten der unfassbaren Zahlen zu holen». Diese Ansätze hätten «nur leider», wie Annen einräumt, «all zu selten zu konkretem Handeln gerade in den Schulen geführt».
Angesichts dessen erinnert der SPD-Politiker daran, dass es eine gemeinsame Verantwortung gebe, die alle trügen - die Nachgeborenen wie die künftigen Generationen. «Dieser Verantwortung vor der eigenen verbrecherischen Geschichte müssen wir uns stellen», betont er. «Denn nur wenn wir wissen, woher wir kommen, können wir ein Bild dessen zeichnen, wohin wir gehen wollen.»