08. Jun 2006 07:10
Der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinde Niedersachsen hat eine bessere Förderung der Integration russischer Juden gefordert. Michael Fürst sieht dabei nicht nur die Bundesregierung in der Pflicht.
Vor diesem Hintergrund räumte Fürst ein, dass die Integration der russischen Juden «weitaus schwieriger» gewesen sei, «als wir uns das vorgestellt haben». Sie sei schwieriger als der Neubeginn nach der Schoa. «Nach der Schoa ging es um Juden, die Judentum schon gelebt hatten und kannten», erläuterte der Funktionär. Die Integration der russischen Juden geschehe aber mit Menschen, die vom Judentum «fast keine Kenntnis» hätten. Fürst plädierte in diesem Zusammenhang dafür, die russischsprachigen Juden auch in den Zentralrat und seine Verbände zu integrieren. «Wir müssen ihnen deutlich machen, dass sie sich in den jüdischen Gemeinden, die nach der Schoa gegründet wurden, engagieren müssen: Nur Forderungen aufstellen, reicht nicht aus - Mitarbeit ist gefragt.»Im Hinblick auf das Thema Rechtsextremismus lobte Fürst den Einsatz der Bundesregierung. «Die deutsche Politik ist sehr ernsthaft und ehrlich bemüht, dieses Problem zu bekämpfen», sagte er. «Es sind ja nicht nur die Juden betroffen, sondern die Demokratie insgesamt», gab der jüdische Funktionäre zu bedenken und fügte hinzu, er «kenne keinen seriösen Politiker, der daran zweifelt».
Ungeachtet dessen müsse der Kampf gegen Antisemitismus, Rechtsradikalismus und fremdenfeindliche Gewalt fortgesetzt werden, verlangte Fürst. Der Zentralrat mit seiner neuen Präsidentin Charlotte Knobloch müsse dafür sorgen, «dass diese fürchterliche Auffassung einer großen Zahl von Menschen nicht nur erkannt, sondern auch politisch bekämpft» werde. «Frau Knobloch wird sich in dieser Beziehung sicherlich sehr stark engagieren.»