Als «enttäuschend» bezeichnete Kramer es, dass weder die Politik, noch die Kirchenvertreter in Person von Bischöfin Margot Käßmann und Kardinal Georg Sterzinsky beim Start der Initiative an das «sonst so gerne in öffentlichen Erklärungen bemühte jüdisch-christliche Wertefundament des Abendlandes gedacht» hätten.So verkenne das Bündnis auch die Bedürfnisse einer modernen, pluralen Gesellschaft, in der nicht nur religiöse Werte eine Rolle spielten. «Mit dieser leichtfertigen Polarisierung wird das zarte Pflänzchen des dringend benötigten, gesamtgesellschaftlichen Wertekonsens, über Religions- und Kulturgrenzen hinaus, platt gewalzt bevor es auch nur sprießen konnte», kritisierte Kramer.
Beispielhaft nannte Kramer die Vielzahl von jüdischen Gemeinden, die Kindergärten und Schulen unterhielten, in denen auch christliche Kinder nach universellen Werten erfolgreich unterrichtet werden.Vor diesem Hintergrund forderte der Generalsekretär einen «Wettbewerb um die besten Bildungskonzepte unter Einbeziehung aller praktischen Erfahrungen und keine Zementierung konservativer Erziehungsmodelle». Dabei müsse der Staat seine religiöse Neutralität wahren, «andernfalls steht uns ein Kampf der Kulturen und auch der Religionen bevor», erläuterte Kramer.
Ein Sprecher des Bundesfamilienministerium zeigte sich von der heftigen Kritik «etwas überrascht.» Wer möchte, könne sich auch beteiligen: «Die Tür steht weit offen.» Im übrigen seien die großen Wohlfahrtsverbände darüber informiert gewesen, dass im Herbst ein weiteres Treffen auch mit anderen Relegionsgemeinschaften und der Wirtschaft vorgesehen sei. (nz)