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Zentralrat öffnet sich liberalen Juden

18. Nov 2005 18:51
Neue Synagoge in Berlin-Mitte
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Der Zentralrat der Juden in Deutschalnd will erstmals liberale Gemeinden aufnehmen. Der Ratsversammlung liegen entsprechende Anträge vor.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland wird an diesem Sonntag voraussichtlich erstmals in größerem Umfang liberale jüdische Gemeinden aufnehmen. Der Ratsversammlung in Düsseldorf liegen dazu Anträge von zwei Verbänden aus Schleswig-Holstein sowie vom Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen vor, teilte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, am Freitag dem Evangelischen Pressedienst epd in Berlin mit.

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Kramer wollte keine Prognose abgeben, ob die etwa 100-köpfige Ratsversammlung der Aufnahme zustimmt. Er wolle der Sitzung nicht vorgreifen, habe aber ein gutes Gefühl. Die niedersächsische Landesregierung hatte erst Ende Oktober dem Landesverband in Hannover das Körperschaftsrecht verliehen. Das ist die entscheidende Voraussetzung für die Aufnahme in den Zentralrat der Juden. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts kann der Zentralrat wie etwa auch die Kirchen zum Beispiel Religionsunterricht erteilen oder Beamte beschäftigen.

Liberale erwarten «positives Signal»

Der Vorsitzende der Union Progressiver Juden, Jan Mühlstein, erwartet ein «positives Signal auf dem begonnenen Weg der Integration». Mit der Aufnahme der liberalen Landesverbände stärke der Zentralrat seine Legitimation, für das gesamte Judentum in Deutschland zu sprechen. Darüber hinaus müssten die liberalen Juden aber noch stärker an Entscheidungsprozessen und finanziellen Mitteln des Zentralrats beteiligt werden, so Mühlstein.

Bislang vertritt der Zentralrat in der Regel eher orthodox ausgerichtete oder so genannte Einheitsgemeinden. Durch die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion seit Beginn der 90er Jahre gewann das liberale Judentum in Deutschland jedoch an Zulauf, so dass sich mehrere liberale Gemeinden bildeten.

Staatsvertrag mit Bundesregierung

Die Bundesregierung hatte 2003 mit dem Zentralrat einen Vertrag geschlossen und dem jüdischen Dachverband darin eine jährliche Förderung von drei Millionen Euro zugesagt. Daraufhin war ein Streit darüber entbrannt, inwieweit die liberalen Juden an diesen Mitteln beteiligt werden. Politiker aller Parteien äußerten ihre Erwartung, dass das Geld auch den liberalen jüdischen Verbänden zugute komme. Im August kam es zu einem Spitzengespräch zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der Weltunion für progressives Judentum.

Mittlerweile habe der Zentralrat den liberalen Gemeinden eine «anerkennenswerte Leistung» zukommen lassen, sagte Mühlstein. Die Summe wollte er nicht nennen. In den 15 liberalen Gemeinden in Deutschland sind der Union Progressiver Juden zufolge rund 3000 Mitglieder eingeschrieben. Der Zentralrat der Juden vertritt nach eigenen Angaben rund 100.000 Mitglieder in 86 Gemeinden. (nz/epd)

 
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