24. Aug 2005 09:41
Die Weltunion für progressives Judentum sieht die finanzielle Förderung ihrer Gemeinden in Deutschland nicht gewährleistet. Die Bundesregierung müsse das aber «sicherstellen», sagte Generalsekretär Regev der Netzeitung.
Angesichts der anhaltenden Kontroverse über politische und finanzielle Fragen zwischen den großen jüdischen Organisationen in Deutschland hat die Weltunion für progressives Judentum (WUPJ) eine Spaltung der jüdischen Gemeinschaft nicht ausgeschlossen. Dies sei vom Verhalten des Zentralrats der Juden in Deutschland abhängig, machte der Generalsekretär der WUPJ, Rabbi Uri Regev, im Gespräch mit der Netzeitung deutlich. «Wenn der Zentralrat sich öffnet und die liberalen Juden mit tragfähigen, ausreichenden, langfristigen und planbaren Zuwendungen an seinen Dienstleistungen, aber auch an der staatlichen Förderung teilhaben lässt, sehe ich keinen Grund für Alternativen», so Regev.
Nach Regevs Vorstellung muss es auch in Deutschland möglich sein, dass die jüdische Gemeinschaft in Vielfalt existieren kann. Voraussetzung hierfür sei aber, dass die «grundsätzlichen Prinzipien des Pluralismus» auch angewandt würden. Der Zentralrat müsse erkennen, dass er für alle Richtungen des Judentums zuständig sei und nicht vorrangig für die Orthodoxen. Dann gebe es auch kein Problem mit den liberalen Juden, sagte der WUPJ-Generalsekretär. «Falls nicht, fürchte ich, muss die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ihre Institutionen überdenken und Alternativen einrichten.»
Hintergrund des Streits innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland ist der 2003 geschlossene Vertrag zwischen Bundesregierung und Zentralrat. Er sieht eine jährliche Förderung von drei Millionen Euro für den Zentralrat vor, der rund 100.000 Juden in Deutschland vertritt. Die 20 Gemeinden der Union Progressiver Juden (UPJ) mit rund 3000 Mitgliedern hatten zunächst keinen Anteil an den Zuwendungen.Regev sagte, er sehe zwar einerseits, dass es voran gehe, anderseits seien aber «wichtige Forderungen» noch nicht erfüllt. Er erwarte deshalb, dass durch das Treffen mit Schröder «endlich Bewegung in die Sache» komme. «Mein Eindruck ist, die Bundesregierung weiß um die Bedürfnisse der progressiven Juden und darum, dass der Zentralrat verpflichtet ist, alle jüdischen Gruppen an der staatlichen Förderung zu beteiligen.»