netzeitung.deZentralrat der Juden in Deutschland rät zu israelischer Hilfe im Kampf gegen Nazis

 Herausgeber: netzeitung.de

Paul Spiegel (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Paul Spiegel
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Präsident des Zentralrats der Juden hat sich besorgt über die Tendenz geäußert, dass sich immer mehr Jugendliche Nazis zuwenden. In der Netzeitung fordert Paul Spiegel Maßnahmen zum Schutz der Demokratie in Deutschland.

Von Dietmar Neuerer

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Politik eindringlich aufgefordert, gegen das Erstarken von Nazis vorzugehen. Besorgt äußerte sich Zentralrat-Präsident Paul Spiegel vor allem über Erkenntnisse des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), wonach Nazis immer mehr von gewaltbereiten Jugendlichen unterstützt werden. Die Politik müsse dieser Entwicklung Einhalt gebieten, sagte er der Netzeitung.

Es gehe darum, die Demokratie in Deutschland zu schützen, betonte Spiegel. Wer, wie die Nazis, Minderheiten angreife, greife auch die Demokratie an. Er sehe «große Probleme auf unser Land zukommen», wenn den Jugendlichen nicht klar gemacht werde, was die Nazi-Zeit für die Menschen in Europa bewirkt habe.
Von Jad Vaschem lernen
Spiegel wertete eine internationale Studie des «American Jewish Committee» zum Holocaust als weiteres Alarmsignal. Dass rund ein Viertel der Deutschen wünsche, einen Schlussstrich unter das Erinnern an den Holocaust zu ziehen, sei auch ein Indiz für Mängel in der Geschichtsvermittlung. «Es müssen neue didaktische Formen gefunden werden, um Jugendliche für das Thema Nationalsozialismus und Holocaust zu sensibilisieren», sagte er. «Der Fehler ist, dass Jugendliche abschalten, wenn man ihnen einredet, dass sie Schuld tragen für den Holocaust.»

Spiegel forderte, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Kultusminister sollten sich mit Experten vom Education Center der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem zusammensetzen. Die Fachleute dort wüssten, wie man Jugendliche dazu bringe, sich mit der Nazi-Zeit auseinanderzusetzen. Das Education Center könne Schulen in Deutschland «wertvolle Anregungen» geben. Fortbildungsseminare für Lehrer seien nicht nur eine «sehr wesentliche Sache», sondern «dringend geboten».

Stelen-Turnen
Der Zentralrat-Präsident warnte, wenn die Schulen ihren Geschichtsunterricht nicht änderten, würden sich weiter mehr und mehr Jugendliche Nazis zuwenden. Da nützten auch die «klaren Äußerungen» von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Bundespräsident Horst Köhler nichts, dass es keinen Schlussstrich gebe.

Auch das Holocaust-Mahnmal in Berlin könne nicht verhindern, dass die Nazi-Zeit «in Vergessenheit» gerate, zumal, wenn Jugendliche «lieber auf den Stelen herumturnen», statt sich am «Ort der Information» über Opfer und Täter zu informieren. «Dann können Rattenfänger kommen, und Jugendliche werden ihnen nicht entgegentreten können.»