10. Jan 2008 07:57
In den drei Jahren nach der US-Invasion im März 2003 sind im Irak laut WHO mehr als 150.000 Zivilpersonen getötet worden. Anderen Schätzungen zufolge liegt die Zahl noch weit höher.
Im Irak sind nach einer Erhebung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der irakischen Regierung zwischen März 2003 und Juni 2006 etwa 151.000 Zivilisten gewaltsam ums Leben gekommen. Das teilte die WHO am Mittwoch in Genf mit. Die Zahlen seien das Ergebnis einer breit angelegten Untersuchung über Familiengesundheit im Irak, die die irakische Regierung für ihre weiteren Planungen benötige. Die Schätzungen, die im «New England Journal of Medicine» veröffentlicht wurden, beruhen auf Umfragen in 9345 Haushalten in etwa 1000 Wohnbezirken und Dörfern im Irak. Experten gehen bei dieser Grobschätzung dennoch von Fehlern aus, so dass die Zahl zwischen 104.000 und 223.000 liegen könnte. Die Zahl der bei Befragungen ermittelten 151.000 Opfer liege dreimal so hoch wie diejenige, die man bisher anhand von Medienberichten errechnet habe. Sie seid aber auch viermal niedriger als eine 2006 durchgeführte Haushaltsumfrage mit weniger Befragten.
«Die Einschätzung der Todeszahlen in Konflikten ist äußerst schwierig, und Haushaltsbefragungen müssen mit Vorsicht zur Kenntnis genommen werden», sagte der WHO-Statistiker Mohamed Ali dazu. Da es jedoch an behördlichen Sterbelisten mangele, sei die Haushaltsbefragung die beste Möglichkeit, sich einen Überblick über die Opfer zu verschaffen.
Nach dieser Studie war Gewalt die Hauptursache für den Tod irakischer Erwachsener nach März 2003 und dabei vor allem für Männer im Alter von 15 bis 59 Jahren. So starben im Durchschnitt 128 Iraker täglich durch Gewalteinwirkungen im ersten Jahr nach der amerikanischen Invasion. Diese Zahl lag im zweiten Jahr noch bei 115 und stieg im dritten Jahr auf 126 an. (dpa)