netzeitung.deIrak kauft Waffen von China

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Irakischer Soldat in Bagdad (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Irakischer Soldat in Bagdad
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Um den Druck auf die USA zu erhöhen, sucht die irakische Regierung nach weiteren Waffenlieferanten. Ein erheblicher Teil des Kriegsgeräts fällt allerdings in die Hände von Extremisten.

Für 100 Millionen Dollar hat die irakische Regierung in China Waffen für ihre Polizei bestellt. Präsident Dschalal Talabani erklärte am Mittwoch in Bagdad, die USA seien nicht in der Lage, die erforderliche Ausrüstung bereitzustellen. Zusagte Schiffslieferungen verzögerten sich.

Das bislang geheim gehaltene Geschäft mit China sei beunruhigend, berichtete die «Washington Post». US-Militärexperten hätten bereits darauf hingewiesen, dass mehr als 190.000 von den USA gelieferte Waffen nie bei den irakischen Sicherheitskräften angekommen seien. Es sei bekannt, dass die Polizei von Extremisten durchsetzt sei, hieß es. Vermutlich seien die Waffen aus den USA in die Hände schiitischer und sunnitischer Kämpfer gefallen.

Weder die Regierung in Bagdad noch die irakische Armee seien derzeit in der Lage, die Verteilung von Waffen zu kontrollieren, kritisierte Rachel Stohl von dem unabhängigen Zentrum für Verteidigungsinformation in Washington. US-Militär könne höchstens dann Einfluss nehmen, wenn es sich um Kriegsgerät aus dem eigenen Land handele. Bei Waffen aus China könnten die USA dagegen nichts unternehmen.

Ein hochrangiger US-Offizier äußerte sich unterdessen zu dem geplanten Truppenabzug. Er gehe davon aus, dass zwischen 25.000 und 50.000 US-Soldaten noch mindestens drei bis fünf Jahre im Irak bleiben müssten, sagte Generalleutnant Raymond T. Odierno.

Zurückziehen können sich die USA erst, wenn die irakischen Truppen alle nötigen Funktionen selbst übernehmen können. Der Ausbau der Polizei ist für Talabani eine der zentralen Voraussetzungen für die Autarkie der Sicherheitskräfte. Bislang trage erst jeder fünfte Polizist eine Waffe, sagte der Staatschef. Irakische Rüstungsfabriken könnten die fehlenden Waffen nicht selbst herstellen.

Der Irak ist mittlerweile einer der größten Abnehmer von Waffen aus den USA. Der Oberkommandierende der US-Armee im Irak, General David Petraeus, berichtete im September dem Verteidigungsausschuss des Senats in Washington, Bagdad habe Kaufverträge im Umfang von 1,6 Milliarden Dollar unterzeichnet. Zudem seien weitere Geschäfte in der Größenordnung von 1,8 Milliarden Dollar möglich. (nz)