Iraks Premier für USA «bequemer Sündenbock»
24.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Die Stimmung in den USA gegen das politische Establishment in Bagdad ist ohnehin aufgeheizt. Im Fernsehen fragen Irak-Veteranen voller Zorn, weshalb sie ihr Leben für einen Staat riskieren, dessen Parlament inmitten von Krieg, Terror und zahllosen ungelösten Problemen erst einmal einen Monat lang in Urlaub verschwindet. Der Frust der Amerikaner nicht nur über den kostspieligen und blutigen Waffengang an sich sondern auch das ergebnislose Hickhack der Politik in Washington über den Kurs im Irak sitzt tief.
Zwar würde auch in den USA niemand behaupten wollen, Nuri al- Maliki habe sich durch seine Regierungsarbeit Orden verdient. Trotz allen Drängens aus Washington gibt es bislang weder ein Gesetz über die Verteilung der Öleinnahmen noch eine Verfassungsreform oder eine Lösung der Frage, wie mit den Mitgliedern von Saddam Husseins Baath- Partei umgegangen werden soll. «Aber es ist absurd, ihm die ganze Schuld für das Versagen des politischen Prozesses zuzuschieben, den die amerikanische Politik in Gang gesetzt hat», befindet der «Washington Post»-Kolumnist Eugene Dionne.
Auch sei Al-Maliki wohl kaum für die mangelnde Weitsicht der US- Regierung mit Blick auf das spannungsgeladene Verhältnis von Schiiten und Sunniten verantwortlich zu machen. «Das deutlichste Zeichen für unsere schwindenden Optionen im Irak ist der Eifer beider Parteien (in den USA), den ganzen Schlamassel auf einen Mann abzuladen, dem amerikanische Regierungsvertreter schließlich zu seinem Job verholfen haben», schreibt Politologe Dionne.
In der Tat lässt es die Einschätzung der amerikanischen Geheimdienste nicht an Deutlichkeit fehlen, in welcher Sackgasse und in welchem Dilemma die USA im Irak stecken. Fortschritte bei der Sicherheitslage seien zwar «messbar», aber dann doch «ungleichmäßig» - trotz der inzwischen auf rund 160 000 Mann hochgeschraubten US- Truppenstärke. Ein Rückzug aus dem Irak jedoch, sind sich die Geheimdienstler einig, würde die Dinge nur noch schlimmer machen. (Von Frank Brandmaier, dpa)

