netzeitung.de«Verdammter Mist»: US-Piloten erschossen Briten

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US-Soldaten im Irak (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe US-Soldaten im Irak
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein britischer Soldat kam im Irakkrieg vor vier Jahren ums Leben, weil US-Piloten auf ihn schossen. Ein Mitschnitt ihrer Funksprüche belegt: Ihnen wurde schnell bewusst, dass dies ein großer Fehler war.

Im Irakkrieg 2003 kamen britische und amerikanische Soldaten vor allem auch durch eigene Leute ums Leben – wenn diese beim Bombardieren nicht richtig zielten oder andere Fehler begingen. «Friendly fire» heißt das etwas zynisch: Feuer von Freunden.

Die britische Boulevardzeitung «The Sun» hat nun ein Video auf ihre Website gestellt, das den Dialog zweier US-Piloten dokumentiert, die für den Tod eines britischen Soldaten im Irak verantwortlich gemacht werden. 15 Minuten lang ist das Band. «Sun» nennt es «das Band, das sie zu verstecken versuchten». Weder die US-Behörden noch die britische Regierung wollen laut dem Blatt das Video veröffentlichen.
Ungenau nachgefragt
Laut Ermittlungsergebnissen starb der britische Soldat, als der US-Jet orangenfarbene Markierungen auf Autos eines britischen Konvois als feindliche Raketen fehlinterpretierte. Den US-Soldaten sei versichert worden, es seien keine Koalitionstruppen in der Gegend, heißt es. Dann schossen sie – und bemerkten schnell, dass dies ein Fehler war, wie CNN berichtet. Koordinatoren am Boden hätten nach den ersten Schüssen reagiert und die Piloten auf «friendlies» hingewiesen.

Die Aussage, dass dort keine befreundeten Soldaten seien, sei ein Missverständnis gewesen, so die «Sun». Die Piloten hätten ungenau nachgefragt und Angaben zu einer Gegend in der Nähe erhalten - nicht aber zum Ort, den sie letztlich bombardierten.

«Verdammt», habe einer der Piloten geschrien, «jetzt müssen wir in den Knast».

Der Vorfall geschah laut «Sun» am 28. März 2003 und wird derzeit untersucht.

Dokumentation der Funksprüche
Das Blatt dokumentiert die auf Video aufgenommene Funksequenz. Hier eine deutsche Übersetzung:

«Bedenken Sie, dass Sie Koalitionstruppen unter sich haben», sagte der für Bombardierungen zuständige US-Koordinator nach der fatalen Attacke.

«Aaah! Mist! Scheiße, Scheiße Scheiße», antwortete einer der A-10-Piloten mit Codenamen Popov35. «Mir wird schlecht.»

Die Piloten erfahren, dass ein britischer Soldat tot ist, ein anderer verwundet.

«Hast Du das gehört»?, fragt Popov35.

«Ja, das ist zum Kotzen», sagt Popov36.

«Wir kommen in den Knast», sagt Popov35.

«Verdammt! Verdammte Scheiße!», sagt Popov 36.

«Die Angelegenheit ist wichtig»
Dieser Mitschnitt sei für die Öffentlichkeit wichtig, sagte Großbritanniens Verfassungsministerin Harriet Harman am Dienstag. Es müsse veröffentlicht werden. Die Frage, wer der «Sun» die Aufnahmen zugespielt haben könnte, ließ sie offen. Sie betonte allerdings, es sei für die Angehörigen des Getöteten wichtig, alles über die Vorgänge zu erfahren, die zu seinem frühen Lebensende geführt hätten.

«Die Angelegenheit ist wichtig und muss aufgeklärt werden», sagte die britische Außenministerin Margaret Beckett der BBC.(nz)