Irakisches TV zeigt Saddam-Hinrichtung
30. Dez 2006 14:58, ergänzt 18:03
 |  Saddam Hussein bei seiner Hinrichtung | Foto: dpa |
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Mehrere Stunden nach dem Tod des irakischen Ex-Diktators Hussein hat das irakische Fernsehen Bilder der Hinrichtung sowie des Leichnams gezeigt. Bei einem Anschlag starben indes 31 Menschen.
Mehrere Stunden nach der Hinrichtung des ehemaligen irakischen Machthabers Saddam Hussein hat das Staatsfernsehen «Al- Irakija» am Samstag Videobilder von der Exekution ausgestrahlt. Sie zeigten zwei mit Henkersmützen maskierte Männer, wie sie dem 69-Jährigen ein schwarzes Tuch um den Hals binden und ihn dann mit auf dem Rücken gefesselten Händen in einen Raum zum Galgen führen. Die Scharfrichter, die ihm offensichtlich die Prozedur erläutern, legen ihm dann die Schlinge um den Hals und ziehen sie an. Danach wurde die Ausstrahlung abgebrochen. Saddam, der in einen schwarzen Mantel gekleidet war und dessen Kopf unverhüllt blieb, wirkte gefasst und nachdenklich. Einige Male schluckte er.
Das irakische Fernsehen zeigte ebenfalls Bilder von der Leiche. Der Mann, der von den Sendern Massar und Biladi als Saddam Hussein identifiziert wurde, lag bekleidet mit einem weißen Hemd auf einer Bahre. Sein Kopf war nicht bedeckt und sein Hals verdreht. An Hals und Teilen des Leichenhemds waren Blutflecken zu sehen. Die Augen der Leiche waren geschlossen. Die Fernsehsender Massar und Biladi stehen der Dawa-Partei des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki nahe.
31 Tote bei Anschlag
Wenige Stunden nach der Hinrichtung wurden indes bei einem Anschlag im Südirak 31 Menschen getötet. 58 wurden verletzt. Die aufgebrachte Menge stellte den vermeintlichen Attentäter und tötete ihn. Hinweise, ob der Autobombenanschlag in der Stadt Kufa mit des Exekution Saddams im Zusammenhang steht, gab es nicht. Wie der Nachrichtensender Al-Arabija unter Berufung auf Ärzte berichtete, explodierte die Sprengladung in der vornehmlich von Schiiten bewohnten Stadt auf einem Marktplatz. Bei zwei Autobombenanschlägen im Nordwesten Bagdads wurden 37 Menschen getötet und 76 verletzt.In einigen sunnitischen Gebieten verhängte die Polizei Ausgehverbote, um Unruhen zu verhindern, darunter in der Heimatstadt von Saddam Hussein, Tikrit, und in Samarra. In mehreren Orten kam es zu friedlichen Protesten gegen die Hinrichtung. Hunderte Menschen trugen irakische Flaggen, Bilder des Gehängten und Plakate durch die Straßen. Trotz des Ausgehverbots schossen in Tikrit Männer in die Luft und forderten Rache.
Schändung befürchtet
Sie forderten Rache sowie eine Überführung des Leichnams in den Heimatort des Ex-Diktators. Kurz zuvor hatten die Scheichs des Tikriti-Stammes und der Rat der rund 175 Kilometer nördlich Bagdads gelegenen Stadt gefordert, der Leichnam solle mit einem US-Flugzeug nach Tikrit gebracht werden. Sie befürchten offenbar, die Leiche könnte von Extremisten - etwa schiitischen Milizionären - entführt und geschändet werden.Derzeit ist unklar, was mit dem Leichnam Saddams geschehen soll. Seine Töchter hatten am Vorabend gefordert, er müsse seiner Familie übergeben werden. Diese wolle ihn zunächst im Jemen bestatten und später in den Irak zurückbringen. In der irakischen Regierung gibt es Bestrebungen, Saddam an einem geheimen Ort zu beerdigen, um keinen Wallfahrtsort für die Anhänger des Ex-Diktators entstehen zu lassen.
Auch der Zeitpunkt der Bestattung ist unklar. Im Islam sollte ein Mensch, der vor zwölf Uhr mittags gestorben ist, möglichst noch am selben Tag beerdigt werden. Dies ist aber nicht bindend. Saddam war am Samstag gegen vier Uhr Ortszeit hingerichtet worden.
Trauer in Libyen
Libyen rief nach der Hinrichtung eine dreitägige Trauerzeit aus. Die Regierung von Muammar el Gaddafi sagte am Samstag alle Feierlichkeiten zum islamischen Opferfest Eid al Adha ab und ordnete an, die Flaggen auf Regierungsgebäuden auf Halbmast zu hängen. Staatschef Gaddafi hatte am Freitag in einem Interview mit dem Fernsehsender Al Dschasira den Prozess gegen Saddam Hussein als illegal bezeichnet. Er müsse vor ein internationales Gericht gestellt werden.Der Iran begrüßte die Hinrichtung dagegen. Er habe die «schrecklichsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit» begangen, hieß es am Samstag im staatlichen Fernsehen. Mit der Vollstreckung der Todesstrafe sei das Kapitel eines der «kriminellsten Diktatoren der Welt» geschlossen. Iran und Irak hatten von 1980 bis 1988 einen Krieg gegeneinander geführt, der mehr als eine Million Menschen das Leben kostete. Der Iran hatte das Gericht, das Saddam aburteilte, aufgefordert, auch wegen Verbrechen dieses Krieges anzuklagen, etwa des Einsatzes von chemischen Waffen gegen iranische Soldaten. In der zwei Jahre vom Irak besetzten Grenzstadt Chorramschahr kam es nach der Nachricht vom Tod Saddams zu Freudenkundgebungen. (nz)