18.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Der neue US-Verteidigungsminister Robert Gates
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der neue US-Verteidigungsminister Robert Gates hat bei seiner Vereidigung vor einem Scheitern der USA im Irak gewarnt. Dies wäre «ein Desaster, das unsere Nation noch lange verfolgen» würde, sagte der Ex-CIA-Chef.
Der neue US-Verteidigungsminister Robert Gates hat am Montag sein Amt angetreten. Der 63-Jährige sagte, er übernehme die Aufgabe in einem «kritischen Augenblick in der Geschichte unserer Nation». Der Irak sei seine wichtigste Aufgabe und die USA könnten sich ein Scheitern im Mittleren Osten nicht leisten. Präsident George W. Bush sagte, Gates sei der «richtige Mann» für die Herausforderungen. «Wir sind eine Nation im Krieg», unterstrich Bush.
Der frühere CIA-Direktor Gates legte am Vormittag seinen Amtseid im Weißen Haus ab, anschließend wurde er noch einmal öffentlich im Pentagon vereidigt. Alle wollten einen Weg finden, «Amerikas Söhne und Töchter nach Hause zu holen», sagte der neue Minister. Doch wäre ein Scheitern im Irak «ein Desaster, das unsere Nation noch lange verfolgen, unsere Glaubwürdigkeit lähmen und das Leben aller Amerikaner auf Jahrzehnte hinaus gefährden würde».
Er wolle schon bald in den Irak reisen, um mit den amerikanischen Befehlshabern vor Ort über die Lage zu beraten. Der Einsatz in Afghanistan sowie eine Reform der Streitkräfte gelten als weitere wichtige Herausforderungen des Nachfolgers von Donald Rumsfeld. Gates wurde von Vizepräsident Dick Cheney vereidigt. Anschließend bedankte er sich für das Vertrauen, dass ihm mit der Übertragung dieses Postens entgegen gebracht worden sei, und fand lobende Worte für seinen Amtsvorgänger. Mehrere Dutzend Repräsentanten des Heeres, der Marine und der Luftwaffe verfolgten die Zeremonie im Pentagon.
Neuer Führungsstil erwartetBush sagte, Gates sei talentiert und voller neuer Ideen und werde deshalb frische Perspektiven aufzeigen. Gates war Mitglied der so genannten Iraq Study Group unter dem früheren Außenminister James Baker. Er hat erkennen lassen, dass er die Empfehlungen dieses Gremiums bezüglich eines Strategiewechsels umsetzen möchte. Bush will sich erst im Januar dazu äußern. Allerdings hat auch Gates einen schnellen Truppenabzug aus dem Irak ausgeschlossen. Andererseits hat er angedeutet, dass er einiges anders gemacht hätte als Rumsfeld - insbesondere in der Zeit nach dem eigentlichen Kriegseinsatz. Bei seiner Anhörung im Senat vertrat Gates offen die Auffassung, dass die Konflikte im Irak mit militärischen Mitteln allein nicht zu lösen seien und die USA deshalb nicht Herr der Lage seien.
Politische Analysten versprechen sich von Gates vor allem einen neuen Führungsstil und eine bessere Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Dies sei für die Regierung Bush dringend notwendig, um den Irak-Einsatz wieder akzeptabler zu machen. Gates wurde von Bush nach der Niederlage der Republikanischen Partei bei der Kongresswahl Anfang November zum Verteidigungsminister ernannt. Der 63-jährige hat eine typische Beamtenkarriere beim Geheimdienst CIA hinter sich, in den er 1966 eintrat. Er leitete dort mehrere Abteilungen, wurde 1982 stellvertretender Direktor und 1991 schließlich Direktor. Zwischendurch gehörte er mehrmals dem Nationalen Sicherheitsrat an. Seit 1993 war Gates im akademischen Bereich tätig, zuletzt als Präsident der A&M-Universität von Texas. (nz)