Rice gegen Gespräche mit Syrien und Iran
09. Dez 2006 11:16
 |  Außenminister Steinmeier mit US-Kollegin Rice in Washington | Foto: dpa |
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US-Außenministerin Rice hat Steinmeiers Reise nach Damaskus kritisiert und direkte Gespräche mit Iran und Syrien ausgeschlossen. Bundeskanzlerin Merkel ist für die Einbeziehung der Länder zur Stabilisierung im Irak.
US-Außenministerin Condoleezza Rice hat erneut direkte Verhandlungen ihres Landes mit Syrien und dem Iran ausgeschlossen. Nach einer Unterredung mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Freitag in Washington sagte sie, beide Staaten hätten einen Weg eingeschlagen, «Extremismus und nicht Mäßigung zu fördern». Das sei der wesentliche Grund. Steinmeier hatte zuvor seine Reise nach Damaskus am vergangenen Montag nachhaltig verteidigt.
Rice widersprach damit einer Empfehlung der am Mittwoch veröffentlichten Studie des nach dem ehemaligen US-Außenminister James Baker benannten Kommission über eine neue Irak-Strategie. Danach sollten die USA mit beiden Staaten direkte Kontakte mit dem Ziel der Stabilisierung des Iraks aufnehmen. «Tatsächlich boten wir dem Iran an, eine US-Haltung nach 27 Jahren zu ändern und am Verhandlungstisch über das iranische Atomprogramm zu sprechen,» erklärte Rice.
Urananreicherung ist Hindernis
Teheran müsse dazu nur die Urananreicherung einstellen, damit diese «nicht weiterentwickelt wird, während wir verhandeln». Rice fügte hinzu, unter diesen Bedingungen sei sie bereit, ihren iranischen Kollegen «jeder Zeit und an jedem Ort zur treffen». US-Präsident George W. Bush hatte bereits den Vorschlag direkter Gespräche zurückgewiesen, so lange diese Staaten Terrorismus unterstützten.Steinmeier verteidigte dagegen seine Syrien-Reise und sagte, er sei gefahren, um «wenigstens zu versuchen, ob schwierige Partner wie Syrien auf einen konstruktiveren Weg im Nahost-Friedensprozess zu bekommen sind». Die Zahl der Alternativen sei schließlich nicht groß. «Deshalb muss man auch die Wege gehen, die möglicherweise kontrovers diskutiert werden.» Das sei ihm bewusst. Steinmeiers Reise nach Syrien war zuvor auch in Israel von Ministerpräsident Ehud Olmert als Fehler bezeichnet worden. Steinmeier sei zu wenig hart gewesen, sagte dieser.
Merkel für Gepräche mit Syrien und Iran
In Damaskus hatte Steinmeier Syrien aufgefordert, mäßigend auf die Hisbollah im Libanon einzuwirken und die Stabilisierung des Nachbarlandes konstruktiv zu unterstützen. Außerdem bat er die syrische Regierung, die Hamas zur Aufnahme von Friedensgesprächen zu bewegen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich zur Entschärfung des Irak-Konflikts für Gespräche mit Iran und Syrien aus. Unter Verweis auf den Bericht der Baker-Kommission sagte sie in einer Videobotschaft am Samstag: «Ich unterstütze insbesondere eine umfassende diplomatische Initiative, bei der der Irak auch seine Nachbarstaaten mit einbezieht und damit ein Beitrag geleistet werden könnte, um den Mittleren und Nahen Osten insgesamt zu stabilisieren.» Die teilweise angemahnten direkten Gespräche zwischen den USA mit Syrien und dem Iran erwähnte Merkel in ihrer Botschaft nicht.
Klose setzt auf stille Diplomatie
Zweifel an den Gesprächen mit Iran und Syrien kamen dagegen von dem SPD-Außenpolitiker im Bundestag, Hans-Ulrich Klose. Er warnte in einem Gespräch mit der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» vor voreiligen Gesprächen mit Syrien und dem Iran und setzte sich damit deutlich von der Position seines Parteikollegen Steinmeier ab. «Ich halte es nicht für klug, Syrien und Iran so offensiv Verhandlungen anzubieten», sagte er. Dafür würden diese Länder einen Preis verlangen. Schon jetzt sähen sich die Regierungen in Teheran und Damaskus als «Champions in der Auseinandersetzung», sagte Klose. «Die Iraner bestehen auf ihr Atomprogramm, und die Syrer wollen wieder mehr Einfluss im Libanon.» Es wäre besser, mehr auf die stille Diplomatie zu setzen, so Klose weiter.
Steinmeier dämpft Erwartungen
Deutschland wird im Baker-Bericht erwähnt, unter anderem als Bestandteil einer internationalen Unterstützungsgruppe. Was diese Empfehlungen angehe, müsse man sehen, ob die US-Regierung zustimme, so Steinmeier weiter. Rice stimmte dem Baker-Bericht zu, wonach Deutschland im Irak-Stabilisierungsprozess eine wichtige Rolle einnehmen solle. Steinmeier dämpfte dagegen zu große Erwartungen: «Ich weise immer wieder darauf hin, dass wir uns nicht überschätzen dürfen. Wir sind in keiner Vermittlerrolle im Mittleren Osten. Dazu sind unsere Möglichkeiten bei weitem nicht ausreichend entwickelt,» erklärte der Minister. Die Entsendung deutscher Soldaten schloss er erneut aus. (nz)