netzeitung.deÖsterreichische Geisel im Irak getötet

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Einer der fünf im Irak verschleppten ausländischen Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma ist tot gefunden worden. Bagdad dementierte indes einen Haftbefehl gegen den Sunniten-Führer.

Im Süden des Iraks ist nach Angaben aus Sicherheitskreisen ein Österreicher getötet worden. Er war am Donnerstagabend zusammen mit vier Amerikanern entführt worden. Ein Polizeisprecher sagte, die Leiche des Mannes, der für eine Sicherheitsfirma gearbeitet habe, sei am Freitag in der Wüste bei Al-Subair gefunden worden.

Von den entführten Amerikanern fehle noch jede Spur. Neun irakische Mitarbeiter der Sicherheitsfirma seien von den Kidnappern inzwischen wieder freigelassen worden.

Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete, der Österreicher sei bei einem Gefecht zwischen US-Truppen und den Entführern getötet worden, bei dem außerdem vier weitere Menschen ums Leben gekommen seien. Dies bestätigte die US-Armee zunächst nicht. Im Südirak ist das britische Militär stationiert. Nach ersten Informationen hatten die Sicherheitsleute einen aus 19 Lastwagen bestehenden Konvoi begleitet, der von Kuwait nach Nassirija, 350 Kilometer südlich von Bagdad, fahren sollte. Bei Safwan stellten sich ihnen die schwer bewaffneten Kidnapper in den Weg.

Haftbefehl dementiert
Regierungssprecher Ali al-Dabbagh dementierte am Freitag Berichte, wonach das irakische Innenministerium einen Haftbefehl gegen den einflussreichsten sunnitischen Religionsgelehrten des Landes, Scheich Harith al-Dhari, ausgestellt haben soll. Der Generalsekretär des Rates der Religionsgelehrten, der sich derzeit in Jordanien aufhält, sei lediglich «zur Vernehmung einbestellt worden», sagte Al-Dabbagh im Interview mit Al-Arabija. Al-Dhari wird vorgeworfen, er schüre mit seinen Äußerungen den Hass zwischen Schiiten und Sunniten. Das Generalsekretariat des Rates erklärte, die Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki habe nun ihren «moralischen Bankrott» bewiesen und solle zurücktreten, bevor sie gestürzt werde.

Gleichzeitig rief der Rat die Iraker auf, «mit Ruhe und Selbstdisziplin» auf diese «Provokation» zu reagieren, um Blutvergießen zu verhindern. Beobachter in Bagdad rechnen mit gewaltsamen Reaktionen seitens der sunnitischen Aufständischen, falls die Ermittlungen gegen Al-Dhari nicht gestoppt werden.

«Ein Skandal»
Vizeministerpräsident Barham Saleh sagte derweil, bei der Entführung von sechs Kleinbussen in West-Bagdad am Donnerstag seien 40 Menschen getötet worden. Saleh sagte in einem Interview des Nachrichtensenders Al-Arabija, diese Entführung und die Verschleppung Dutzender Beamter aus einem staatlichen Institut in Bagdad am vergangenen Dienstag seien Skandale, die man nicht herunterspielen solle. «Dass so viele Leute am helllichten Tag aus einer staatlichen Institution heraus entführt werden konnten, ist ein Skandal», sagte der kurdische Politiker.

Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte lediglich den Tod von sieben der insgesamt rund 60 Fahrgäste der Kleinbusse, in denen vor allem Schiiten gesessen hatten. Zwei Beamte, die bei der Massenentführung im Institut für Kulturforschung verschleppt und später wieder freigelassen worden waren, sagten, die Entführer seien Polizisten gewesen. Diese hätten sie geschlagen. Andere Entführungsopfer seien schwer gefoltert und später auf einer Müllhalde «abgeladen» worden, sagten sie der arabischen Zeitung «Al- Sharq Al-Awsat». Von den bis zu 150 Verschleppten befindet sich nach Angaben des Hochschulministeriums inzwischen etwa die Hälfte auf freiem Fuß. Die US-Armee teilte am Freitag mit, ein amerikanischer Soldat sei am Donnerstag in der Provinz Dijala getötet worden. (nz)