netzeitung.deUS-Truppen mit neuen Plänen für den Irak

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Autobombenanschlag in Bagdad am Wochenende (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Autobombenanschlag in Bagdad am Wochenende
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

US-Truppen handeln offenbar Amnestien für sunnitische Aufständische im Irak aus. Damit soll die Versöhnung im Land vorangetrieben werden, das die Gewalt zunehmend weniger im Griff hat.

US-amerikanische Truppen wollen sunnitischen Aufständischen Amnestie gewähren. So soll ein weiteres Eskalieren der Lage im Irak verhindert und der Weg für die Entwaffnung der Milizen frei gemacht werden, berichtet die britische «Times» am Montag.

Dies wäre eine deutliche Umkehr in der Militärstrategie der USA, die bisher Aufständische, die sich eines Verbrechens gegen US-Truppen schuldig gemacht hatten, nicht an die irakische Regierung übergeben wollten.

Die Amnestien würden laut «Times» ohne Einbeziehung der irakischen Regierung zwischen Aufständischen und den US-Militärs verhandelt.

«Arroganz und Dummheit»
Am Wochenende hatte ein hoher US-Diplomat dem arabischen Fernsehsender Al Dschasira gesagt, die USA hätten im Irak «Arroganz und Dummheit» an den Tag gelegt. Er deutete bereits an, die US-Regierung sei angesichts der zunehmenden Gewalt bereit, mit allen irakischen Extremistengruppen zu verhandeln – ausgenommen Al Qaeda. Am Montag nahm Alberto Fernandez vom US-Außenministerium seine Kritik allerdings zurück.

US-Präsident George W. Bush gerät indes wegen seines angeblichen Zeitplans für das weitere Vorgehen im Irak unter Druck. Mehrere demokratische Senatoren forderten Bush auf, den Plan noch vor den US-Kongresswahlen am 7. November vorzulegen. Darin müssten auch Termine für den Rückzug der US-Soldaten enthalten sein, sagte Senator Carl Levin dem US-Fernsehsender «Fox». «Ohne den Druck, dass die US-Truppen das Land in ein paar Monaten verlassen, werden die Iraker nicht das tun, was nur sie selbst tun können: ihre politischen Differenzen beilegen.»

Druck vor den Kongresswahlen
Ex-Präsidentschaftskandidat John Kerry sagte dem Sender ABC, ein Zurückhalten von Plänen sei unmoralisch: «Wenn sie eine bessere Strategie haben, Mister Präsident, dann wollen wir sie jetzt sehen.» Bush steht vor den Kongresswahlen am 7. November besonders wegen des Krieges im Irak innenpolitisch unter immer stärkerem Druck.

Die «New York Times» hatte unter Berufung auf hochrangige Regierungskreise berichtet, Bush wolle die irakische Regierung erstmals mit einem konkreten Zeitplan in die Pflicht nehmen. Der Plan solle Ministerpräsident Nuri al Maliki bis zum Ende des Jahres vorgelegt werden. Eine Sprecherin des US-Präsidialamts bezeichnete den Bericht als «unpräzise», sagte jedoch nicht, welche Teile sie damit meinte.

Indes wurden am Montag zwei, Sonntag sechs US-Soldaten im Irak getötet - alle im Großraum Bagdad. Der Oktober ist mit mindestens 86 getöteten US-Soldaten bisher der verlustreichste Monat für die amerikansichen Truppen im Irak. (nz)