Gewalt nach Anschlag auf Schiiten-Heiligtum
22.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die Terroristen hatten den Schrein des Imams Ali al Hadi in die Luft gesprengt. Dabei wurde die goldene Kuppel zerstört. Die letzte Ruhestätte des Imams und seines Sohnes Imam Hassan al Askari zieht jedes Jahr tausende Pilger aus aller Welt an.
Unter den Trümmern sollen Opfer eingeschlossen sein. Es war der dritte Anschlag auf eine schiitische Einrichtung binnen drei Tagen.
Der nationale Sicherheitsberater im Irak, Muwaffak al Rubai, sagte dem Sender Al Arabija, zehn Verdächtige seien festgenommen worden. Im US-Sender CNN machte er das Terrornetzwerk Al Qaeda und die militante sunnitische Gruppe Ansar al Sunna für den Anschlag verantwortlich. Deren Ziel sei es, «den Irak in den Bürgerkrieg zu treiben», sagte er. Übergangsministerpräsident Ibrahim al Dschafari sagte: «Es gibt Leute, die die Sicherheitskräfte unterwandert haben.»
Der einflussreichste schiitische Geistliche des Iraks, Großayatollah Ali al Sistani, rief eine siebentägige Trauerzeit aus. Seinen Anhängern verbot er, sunnitische Moscheen anzugreifen. Auch mehrere sunnitische Gruppierungen und Iraks Staatspräsident Dschalal Talabani verurteilten die Tat. Die Absicht der Extremisten sei es, die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit zu torpedieren, sagte Talabani.
Der britische Premierminister Tony Blair warnte vor einer Eskalation der Gewalt: «Vergeltung wird den Terroristen nur geben, was sie wollen», sagte er. Die Täter würden die Demokratie aufhalten wollen, die sich derzeit im Irak immer mehr durchsetze. Blair kündigte britische Hilfe beim Wiederaufbau der Moschee an.
Samarra liegt etwa 100 Kilometer nördlich von Bagdad. Tausende schiitische Pilger aus aller Welt besuchen jedes Jahr den Schrein. Der dort bestattete Imam soll nach schiitischer Überlieferung im Jahr 868 auf Geheiß des Kalifen al Mutawakkil in Samarra vergiftet worden sein. (nz)

