16.02.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Irakischer Gefangener in US-Gewahrsam
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH
Die neuen Bilder von der Misshandlung irakischer Gefangener in US-Haft könnten die anti- amerikanische Stimmung weiter verschärfen. Der australische Ministerpräsident nahm die USA gegen Kritik in Schutz.
Viele arabische Zeitungen haben am Donnerstag die neu aufgetauchten Folterbilder aus dem US- Militärgefängnis Abu Ghraib im Irak auf ihren Titelseiten veröffentlicht. Auch die auflagenstarke überregionale Zeitung «Al Hayat» druckte Fotos, auf denen Leichen und geschundene Körper zu sehen sind.
Beobachter erwarten, dass die Bilder die anti- amerikanische Stimmung weiter verschärfen werden. Am Donnerstag gab es jedoch keine nennenswerten Demonstrationen. Einige US-Soldaten, die an der Misshandlung der Gefangenen in Abu Ghraib beteiligt waren, sind inzwischen zu Haftstrafen verurteilt worden, die von den meisten Irakern allerdings als zu milde empfunden werden.
Ein Sprecher des UN-Generalsekretärs Kofi Annan bezeichnete die neuen Folterbilder «zutiefst beunruhigend». «Wir hoffen, dass sie sobald wie möglich untersucht werden», sagte der Sprecher am Mittwochabend in New York.
Demütigungen und Gewalt Angesichts der neuen Misshandlungs-Fotos nahm der australische Ministerpräsident John Howard die USA in Schutz. Wenn es weitere Misshandlungen gegeben habe, müssten diese verurteilt werden, sagte er dem Sender Southern Cross Broadcasting. Allerdings müsse er zur Verteidigung der USA sagen, dass diese schon einiges wegen der Foltervorwürfe unternommen hätten, sagte Howard.
Der australische Fernsehsender SBS hatte am Mittwoch bislang unbekannte Aufnahmen ausgestrahlt, die weit stärker als die bisher bekannten Demütigungen und Gewalt gegen Gefangene zeigten.
Die Aufnahmen entstanden laut SBS Ende 2003 in der gleichen Zeit wie die Fotos, die den Folterskandal um das Bagdader Gefängnis Abu Ghraib auslösten und zu Protesten im Nahen Osten sowie zu juristische Schritten führten. Zur Quelle und zum Erhalt der Bilder machte der Sender keine Angaben, sein Programm «Dateline» zeigte sich aber von der Glaubwürdigkeit der Aufnahmen überzeugt. (nz)