31.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Karte im Krisenstab des Auswärtigen Amtes.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Von den im Irak entführten Deutschen ist ein neues Video aufgetaucht. Die Entführer fordern darin die Schließung der Botschaft in Bagdad und drohen mit der Ermordung der Geiseln.
Der arabische Sender Al Dschasira hat am Dienstag ein neues Video mit den im Irak verschleppten deutschen Geiseln ausgestrahlt. Auf dem Band forderten die Kidnapper nach Angaben des Senders die Bundesregierung auf, die deutsche Botschaft in Bagdad zu schließen, alle Firmen abzuziehen und die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung einzustellen. Dies müsse innerhalb von 72 Stunden passieren, sonst würden die Geiseln getötet.
Zu der Frage, wann das Ultimatum ausläuft, wollte das Auswätige Amt in Berlin am Mittwoch keine Angaben machen.
Nach Angaben des ZDF wurde das Video am 29. Januar, offenbar am Vormittag, aufgenommen. Das Ultimatum könnte somit bereits am Mittwoch auslaufen.
In dem Video knieten die mit hellgrauen Kapuzenjacken bekleideten Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke auf dem Boden, hinter ihnen hätten sich vier Vermummte postiert, berichtete der Sender, dem die Aufnahme vorliegt. Veröffentlichen wollte das ZDF das Band nicht.
Unbekannte TerrorgruppeDrei der vermummten Geiselnehmer hätten mit ihren Waffen auf die deutschen Geiseln gezielt, einer direkt auf die Kameraleute. Einer der mutmaßlichen Entführer habe die Erklärung mit den Bedingungen verlesen. Als der Maskierte seine Erklärung beendete, sprach Bräunlich einige Worte und und schlug seine Hände vor dem Körper zusammen.
Nach Angaben Al Dschasira gehören die Entführer der bislang unbekannten Gruppe Tawhid und Sunnah Brigaden an.
«Menschenverachtendes Verbrechen»Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bezeichnete das Video als «erneutes Zeugnis eines menschenverachtenden Verbrechens». Die Experten des Krisenstabes werteten die Bilder sorgfältig aus.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier lasse sich kontinuierlich unterrichten, sagte der Sprecher. Der Krisenstab werde am Mittwoch noch vor dem Bundeskabinett unter Steinmeiers Leitung zusammentreten. Anschließend werde Steinmeier das Kabinett über den neuesten Stand informieren.
Die Deutschen waren am Dienstag vor einer Woche in der nordirakischen Stadt Beidschi verschleppt worden. Bereits am vergangenen Freitag hatte Al Dschasira ein Video mit den Geiseln gesendet. (nz)