netzeitung.deWaffenexperte kritisiert Phosphor-Einsatz

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Jan van Aken (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Jan van Aken
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Chemiewaffen-Experte Jan van Aken sieht in Weißem Phosphor eine «verbrecherische Waffe». Der Einsatz der Substanz verstoße aber nicht gegegn die Chemiewaffenkonvention der Vereinten Nationen.

Von Dirk Lullies

Der Einsatz von Weißem Phosphor als Waffe im Irak durch US-Truppen stößt auf scharfe Kritik. Jan van Aken, Leiter der Forschungsstelle Biowaffen der Universität Hamburg und Initiator des «Sunshine»-Projekts, das sich gegen Bio-und Chemiewaffen wendet, sagte der Netzeitung: «Es ist eine verbrecherische Waffe, eine furchtbar grausame Waffe, die über Verbrennungen tötet.»

Verboten sei den Amerikanern der Einsatz von Phosphor als Waffe aber nicht, sagte van Aken. Zwar seien die Vereinigten Staaten Mitglied der Chemiewaffenkonvention der Vereinten Nationen. «Weißer Phosphor ist aber per definitionem keine Chemiewaffe», sagte van Aken. Dazu würden nur Substanzen zählen, die wegen ihrer Giftwirkung eingesetzt würden. Phosphor töte aber nicht durch Gift, sondern aufgrund seiner Brandwirkung.
Zusatzprotokoll «Brandwaffen»
Ungeachtet dessen werden nach van Akens Darstellung auch Waffen wie Phosphor international geächtet. Das 1980 bestehende Genfer «Übereinkommen über inhumane Waffen» verbiete den Einsatz von Waffen, die «geeignet sind, überflüssige Verletzungen oder unnötige Leiden zu verursachen», so van Aken. Das Zusatzprotokoll «Brandwaffen» hätten die USA aber nicht unterzeichnet, betonte der Chemiewaffen-Experte.

Die USA hatten am Mittwoch zugegeben, im Kampf gegen Aufständische in der irakischen Stadt Falludscha Weißen Phosphor als Brandwaffe eingesetzt zu haben. Weißer Phosphor entzünde sich, sobald er mit Sauerstoff in Verbindung kommt, erklärte van Aken. Komme ein Mensch mit dem Pulver in Berührung, «frisst es sich bis auf die Knochen, solange der Brand nicht gelöscht wird».

«Gewehre schießen nicht um Ecken»
Van Aken zufolge nutzen die Amerikaner das Phosphor auch deshalb, weil ihnen andere Substanzen im Krieg verboten seien. «Diese Situation in Falludscha ist genau das Szenario, warum die Amerikaner gerne Chemiewaffen hätten», sagte er. «Denn Gewehre schießen nicht um Ecken. Die US-Soldaten setzen das Phosphor ein, um die Aufständischen aus den Häusern zu treiben und sie dann zu erschießen.»

Vor diesem Hintergrund forderte van Aken die USA auf, das Zusatzprotokoll zu ratifizieren und keine Brandwaffen mehr einzusetzen.


Für das Web ediert von Dirk Lullies