netzeitung.deIrakische Schiiten wollen weltliche Regierung

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Die Allianz der schiitischen Parteien in Irak hat sich darauf geeinigt, keine religiösen Führer in die Regierung zu wählen. Einen Gottesstaat wollen sie auch im Fall eines Wahlsiegs nicht errichten.

Am kommenden Sonntag wird mit einem Wahlsieg der miteinander verbündeten schiitischen Parteien in Irak gerechnet. Es wird jedoch «keine Turbane in der Regierung geben», wie ein Führungsmitglied einer der beiden großen Schiiten-Parteien, Dawa, mitteilte. Die Spitzenpolitiker aller schiitischen Parteien hätten sich darauf geeinigt, keine religiösen Führer in die Regierung zu berufen.

Damit sind Forderungen abgewendet, einen Gottesstaat nach iranischem Vorbild zu errichten oder Elemente des islamischen Rechts in die irakische Rechtsordnung aufzunehmen, meinen westliche Beobachter. Auch die iranische Führung, die die Dawa und die andere große Schiiten-Partei, den Höchsten Rat für die Islamische Revolution in Irak, fördert, sei damit einverstanden.
Geringe Akzeptanz
Angesichts der geringen Akzeptanz eines Gottesstaates in der irakischen Bevölkerung und der ablehnenden Haltung der großen, politisch gut organisierten kurdischen Minderheit im Norden des Landes, hätten die islamischen Revolutionsführer in Iran Vertreter irakischer Schiitenparteien sogar davor gewarnt, Kleriker in die Regierung zu berufen, hieß es. Die Entscheidung für eine säkulare Regierung deckt sich auch mit Wünschen der USA, dem einflussreichen Sicherheitspartner der Übergangs- und der künftigen Regierung.

Das Bündnis der schiitischen Parteien gilt als Vernunftszusammenschluss in Reaktion auf stabile Bündnisse kurdischer und nichtreligiöser Parteien. Sie sind sich nicht durchweg einig über den Grad der islamischen Ausrichtung ihrer Politik. Während der gemäßigte Großayatollah al Sistani die Koalition zusammenbrachte - selbst gehört er keiner Partei an -, gilt einer deren mächtigsten Vertreter Abdul Aziz al Hakim, Kleriker und Vorsitzender des Höchsten Rates, als Konservativer, der sich nur ungern von der Aussicht auf ein Regierungsamt gelöst hat. Als Bedrohung für eine säkulare schiitische Regierung gelten auch radikale Schiitenfürer, allen voran Muktada al Sadr, der seit den Aufständen im vergangenen Jahr stillhält. (nz)