netzeitung.deHussein bestreitet offizielle Festnahme-Version

 Herausgeber: netzeitung.de

Saddam Hussein (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Saddam Hussein
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Saddam Hussein hat seinem Anwalt erzählt, wie er vor über einem Jahr verhaftet worden ist. Seine Version unterscheidet sich von der US-Darstellung.

Der frühere irakische Diktator Saddam Hussein hat ein Jahr nach seiner Festnahme im Gespräch mit seinem Anwalt die Umstände seiner Verhaftung geschildert. Dabei bestritt er die von den USA verbreitete Version, er sei am 13. Dezember 2004 aus einem betonierten Erdloch bei Tikrit gezogen worden. Das sei eine dumme Fälschung wie ein Cowboyfilm, zitiert Saddams Anwalt Chalil al-Duleimi seinen Mandanten.

Saddam befindet sich immer noch in US-Gewahrsam bei Bagdad und watet auf seinen Prozess vor einem irakischen Sondertribunal. Al-Duleimi konnte seinen Mandanten erstmals vor mehr als einer Woche sprechen. In der viereinhalbstündigen Unterredung behauptete Saddam, dass ihn die Amerikaner beim Abendgebet im Haus eines Freundes überrascht hätten, sagte Al-Duleimi der in Kairo erscheinenden Wochenzeitung «Al-Osbou».

Das US-Militär hatte nach der Gefangennahme Videoaufnahmen des Erdlochs verbreitet. Zahlreiche Reporter suchten danach die Fundstelle auf und sprachen später mit US-Soldaten und -Offizieren, die an der spektakulären Aktion teilgenommen hatten. Den Militärangaben zufolge hatte sich Saddam ohne jeden Widerstand ergeben, eine Pistole, die er bei sich trug, nicht benutzt.

«Furchtbare Folter»
Demgegenüber behauptete Saddam laut Angaben seines Anwalts: «Die Amerikaner hatten mich umstellt, meine Waffe war weit weg. Ich wurde verhaftet und in den ersten beiden Tagen furchtbar gefoltert. Wenn ich gewusst hätte, dass sie in der Nähe sind, hätte ich gekämpft bis zum letzten Blutstropfen.»

Noch ist unklar, wann das Verfahren gegen Saddam starten wird. Bei der ersten Anhörung am 1. Juli warf ihm der Richter des Sondergerichts eine Reihe von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor, darunter die Ermordung Zehntausender irakischer Kurden und Schiiten sowie die Tötung und Verfolgung von Oppositionellen in den 25 Jahren seiner Diktatur. (nz)