14. Mai 2004 07:03
Erstmals hat ein Mitglied der US-Regierung eingeräumt, dass die Armee in Irak die Genfer Konventionen verletzt hat. Verhörmethoden wie tagelanger Schlafentzug seien nicht zu rechtfertigen. sagte Vize-Verteidigungsminister Wolfowitz.
Im Folterskandal geht die US-Regierung nun in die Defensive. Der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz räumte erstmals ein, dass die amerikanischen Truppen in Irak bei den Verhören von Gefangenen gegen US-Militärrichtlinien und internationales Recht verstoßen haben.Methoden wie Schlafentzug von bis zu 72 Stunden und das Verhüllen von Häftlingen mit Kapuzen seien in den militärischen Richtlinien der USA nicht vorgesehen, sagte Wolfowitz am Donnerstag vor dem Streitkräfteausschuss des Senats in Washington.
Wer dieses Vorgehen genehmigt habe, seien ihnen nicht bekannt, beteuerten Wolfowitz und Vize-Generalstabschef Peter Pace. «Was Sie mir beschreiben, klingt wie eine Verletzung der Genfer Konventionen», so Wolfowitz zu den Senatoren.
Auch Pace gab Verstöße gegen die Regelungen zu. Zuvor hatte er Aufnahmen von nackten, gefesselten Gefangenen gesehen, die in unangenehmen Stellungen verharren mussten. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte noch am Mittwoch erklärt, dass die Verhörpraktiken der Streitkräfte im Einklang mit internationalem Recht stünden. Zwei Senatoren gaben an, die Methoden habe der Kommandeur der US-Truppen in Irak, Generalleutnant Ricardo Sanchez, angeordnet. (nz)