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Schiitische Geistliche in Irak
rufen zu Gewaltverzicht auf

05. Mai 2004 11:40
Hochrangige schiitische Geistliche haben den Milizenführer al Sadr aufgefordert, seine Truppen aus Nadschaf und Kerbela abzuziehen.

Bei einem Treffen hochrangiger schiitischer Geistlicher in Bagdad haben Vertreter der einflussreichsten schiitischen Gruppen am Dienstag dazu aufgerufen, die Verhandlungen mit den Amerikanern über die politische Zukunft des Irak wieder aufzunehmen und die Gewalt einzustellen. Darunter waren auch Vertreter von Ayatollah al Sistani, dem mächtigtsen schiitischen Geistlichen des Irak.

Al Sadrs Truppen sollen abziehen

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Die Geistlichen forderten den schiitischen Milizenführer Muktada al Sadr auf, seine Milizen aus den heiligen Städten Nadschaf und Kerbela abzuziehen und die Moscheen nicht länger als Waffenlager zu missbrauchen. Sie verlangten von ihm, die Kontrolle der Städte der irakischen Polizei und den zivilen Schutztruppen unter Führung der US-Armee zu überlassen.

Gleichzeitig warnten die schiitischen Geistlichen die Amerikaner, die heiligen Städte Nadschaf oder Kerbela anzugreifen, um al Sadr gefangen zu nehmen. Die US-Armee hatte in den vergangenen Tagen mehrfach angedeutet, sie planten eine Offensive gegen al Sadrs Mehdi-Miliz. Dieser hält sich allerdings zur Zeit in Kufa auf, einer kleinen Stadt zehn Kilometer nordöstlich von Nadschaf.

Popularität gesunken

In den vergangenen Wochen hatte al Sadr deutlich an Popularität verloren. Mehrere tausend Menschen hatten nach den Freitagsgebeten in Nadschaf gegen al Sadr protestiert. In der Stadt kursierten Berichte, wonach ein Todeskommando in den letzten zwei Wochen mindesten sieben Anhänger al Sadrs getötet habe. Der iranische Großayatollah Kazem Hussein Haeri, bisher al Sadrs mächtigster Unterstützer, hatte al Sadr ebenfalls zum Truppenrückzug aufgefordert und verlangt, seine Waffen aus Moscheen zu entfernen.

Offenes Gespräch

Vor dem Treffen der schiitischen Geistlichen in Bagdad hatten sich die schiitischen Mitglieder des irakischen Regierungsrates mit dem US-Zivilverwalter Paul Bremer und Generalleutnant Ricardo Sanchez getroffen. Dabei sei es zu einem heftigen Wortwechsel über den Einsatz von Soldaten der ehemaligen irakischen Armee unter Saddam Hussein in Falludscha gekommen, berichtet die «New York Times» unter Berufung auf Teilnehmer des Gesprächs.

Bürgerkriegswarnungen

Die Mitglieder des Regierungsrates hätten Bremer und Sanchez gesagt, sie riskierten einen Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten, wenn sie weiterhin Angehörige der ehemaligen irakischen Armee in Falludscha einsetzten. Die Amerikaner hatten Generalmajor Mohammed Latif, einen General unter Saddam Hussein, zum Chef der Falludscha-Schutztruppen ernannt. Die Sunniten könnten dies als Vorwand nutzen, den von den Amerikanern gesteuerten Demokratisierungsprozess zu boykottieren. Die Sunniten fürchten eine demokratisch gewählte schiitische Regierung. Die Schiiten stellen die Mehrheit der irakischen Bevölkerung. (nz)

 
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