Die Gespräche fanden Anfang März in London statt, kurz vor Beginn des Krieges. Öl, Verhandlungen, Kontrollen Zuvor hatte Hage in Beirut den für Operationen im Ausland zuständigen Chef des irakischen Geheimdienstes getroffen, Hassan al Obeidi. Wie Hage berichtete, lautete sein Angebot: «Wenn es um Öl geht, werden wir über amerikanische Ölkonzessionen reden. Wenn es um den Nahost-Friedensprozess geht, werden wir verhandeln. Wenn es um Massenvernichtungswaffen geht, lasst die USA ihre Leute herschicken. Sie können 2000 FBI-Agenten schicken, die suchen dürfen, wo immer sie wollen. Es gibt keine Massenvernichtungswaffen.»
Außerdem habe es ein Treffen mit dem Geheimdienstchef Tahir Dschalil Habbusch gegeben. Dieser habe ihm zusätzlich angeboten, Abdul Rachman Jasin auszuliefern. Der gilt als Planer des ersten Anschlages auf das WTC und ist einer der meistgesuchten Terroristen des FBI. «Wir sehen uns in Bagdad» Bei der CIA erkundigte sich Perle nach seinem Gespräch mit dem Vermittler Hage, ob es Interesse an weiteren Gesprächen und Verhandlungen gebe und bekam eine Absage. Man besitze selbst diverse Kontakte, habe es geheißen. «Die Botschaft war, 'sag ihnen, dass wir uns in Bagdad sehen werden'», so Perle. Die «NYT» zitiert einen Geheimdienstmitarbeiter mit der Aussage, es habe vor dem Krieg viele solcher Kontakte gegeben. «Solche Signale kamen über eine ganze Anzahl von fremden Geheimdiensten, anderen Regierungen, Charlatane und unabhängigen Akteuren.» Angst vor einem Krieg Trotzdem, so die Zeitung, scheint der Draht des libanesisch-amerikanischen Geschäftsmanns Imad Hage der ernsthafteste Versuch gewesen zu sein, mit den USA Kontakt aufzunehmen. Er sagte in Interviews, die Iraker hätten die Bedrohung sehr ernst genommen und versucht, zu verhandeln. «Sie wollten reden und sie boten Sachen an, diese sie ohne den Truppenaufmarsch niemals angeboten hätten.» Mehrere Dokumente belegen laut der Zeitung, dass die Iraker verzweifelt versuchten, angesichts der Armee an ihrer Grenze Raum für Verhandlungen zu bekommen. Wie Perle der Zeitung «Newsweek» sagte, habe er die irakische Initiative nie «besonders ernst» genommen. Auch in der «NYT» versuchte er, die Gespräche «herunterzuspielen», wie die Zeitung berichtete. Möglicherweise scheiterten die Verhandlungen nicht nur an dem Willen der Amerikaner, Krieg zu führen, sondern auch an ihrer Skepsis gegen diese Art von Verhandlungen, spekuliert ein ehemaliger Geheimdienstoffizier in der Zeitung. Arabische Führer würden solchen geheimen Gesprächskontakten traditionell sehr viel Aufmerksamkeit schenken, sagte er der «NYT». In Washington dagegen halte man diese für sehr suspekt. (nz)
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