Netzeitung Logo
 
Aktuelles  »  Politik  »  Ausland  »  Spezial Irak
DruckenVersenden
 

Verbotene Liebe in Bagdad

02. Nov 2003 11:49
Junge Irakerinnen und US-Soldat in Bagdad
Besatzer und Besetzte sollen sich nicht zu nahe kommen: Seitdem zwei Irakerinnen heimlich US-Soldaten heirateten, werden sie angefeindet. Die Eheleute dürfen sich nicht treffen.

Thema: Iraks Zukunft
Mit ihrer Ehe haben die Irakerinnen Ahda und Joanne kein Glück: Die 25 und 26 Jahre alten Ärztinnen haben ihr Jawort heimlich zwei US-Soldaten gegeben. Seitdem müssen sie sich unter Todesangst verstecken.

Mit Angehörigen der Besatzungsarmee die Ehe einzugehen, ist eines der größten Tabus, die im Nachkriegs-Irak gebrochen werden können. Ahda und Joanne gelten als Kollaborateurinnen, die vogelfrei sind.

Bestrafung wegen Pflichtverletzung

Auch ihre bewaffneten Ehemänner können ihnen keinen Schutz geben, denn auch sie haben gegen Regeln verstoßen. Die beiden Soldaten aus Florida sollen das Eheversprechen während einer Streife in Bagdad gegeben haben. Wird ihnen das nachgewiesen, riskieren sie eine Bestrafung wegen Pflichtverletzung im Dienst.

Den ungleichen Paaren bleibt nur eins: Sie müssen sich vorerst aus dem Weg gehen. Schon wenn ein US-Soldat während einer Streife eine Essenspause in einem Restaurant einlegt, gelte dies als Pflichtverletzung, erläutert ein US-Armeesprecher in Bagdad, denn schließlich sollten die Soldaten auf der Straße für Sicherheit sorgen.

Zum Islam konvertiert

Doch der 27-jährige Christopher und sein zehn Jahre älterer Kollege Brett haben Mitte August während ihrer Patrouille sogar eine schnelle Doppelhochzeit arrangiert. Entsprechend der irakischen Heiratsregeln zahlten sie 1000 Dollar an ihre Frauen.

Zudem verpflichteten sich auf die Zahlung von 10.000 Dollar Unterhalt im Falle einer Scheidung und gaben den Damen ihres Herzens das Ja-Wort. Zwei Wochen vor der Hochzeit waren die beiden US-Christen bereits zum Islam konvertiert.

Eheleben per Brief und E-Mail

Joanne und Ahda lernten ihre künftigen Gatten kennen und lieben, als sie sich als Dolmetscherinnen in einem Hotel der irakischen Hauptstadt ein wenig dazuverdienten. Hochzeitsfotos zeigen die blonde Joanne mit den grünen Augen an der Seite ihres strahlenden Christopher und Ahda mit den langen braunen Haaren neben dem kahlrasierten Brett.

Doch romantische Rendezvous sind für die Frischvermählten ausgeschlossen. Vor dem Quartier ihrer Männer werden die Frauen abgewiesen wie jeder andere Iraker, betont der US-Armeesprecher. «Aber sie können sich Briefe und E-Mails schreiben.»

Angst vor Racheakten

Auch bei Joanne zu Hause herrscht Vorsicht; Fremden und Reporter werden dort abgewimmelt. «Wir haben eine unheimliche Angst, getötet zu werden oder dass ein Anschlag auf unser Haus verübt wird», sagt ihre Schwester.

Eine Nachbarin von Ahda erzählt, dass sie ihre Bewunderung für deren Mut ausgesprochen habe. Da habe die frischgebackene Braut gelächelt - und die Heirat bestritten: «Sie lügt, um sich zu schützen.»

Von Radiohörern verurteilt

Auch die meisten Hörer einer Radiosendung, in der über die heimlichen Hochzeiten berichtet worden war, hätten diese Form von Fraternisierung mit Angehörigen einer fremden Macht verurteilt. Die Frauen hätten zum falschen Zeitpunkt US-Bürger geheiratet, befindet auch die Nachbarin: «Man heiratet keinen Soldaten der Besatzungsarmee.» (nz)

 
DruckenVersenden
  • Bookmark:
  • Mister Wong Webnews Yigg Linkarena Google My Space Del.icio.us Oneview Facebook Twitter
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
150 Lkws in Peschawar angezündet: 
Taliban zerstören Nato-Truppennachschub
BND-Untersuchungsausschuss: 
Brisante Daten, laxe Kontrolle
 
Wachsender Druck auf Netanjahu: 
Steinmeier warnt Israels neue Führung
Vereidigung der größten israelischen Regierung: 
Netanjahu will «kein anderes Volk beherrschen»
 
Schlechte Wahlbeteiligung: 
Warum nur wenige zur Europawahl gingen
Reaktion auf schlechtes SPD-Ergebnis bei EU-Wahl: 
Müntefering räumt «Mobilisierungsprobleme» ein
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2009 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.