netzeitung.deÜber 100 Tote bei Anschlag in Nadschaf

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Schiitenführer Mohammed Bakr al Hakim starb bei dem Anschlag (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Schiitenführer Mohammed Bakr al Hakim starb bei dem Anschlag
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mindestens 124 Menschen sind am Freitag in Nadschaft ums Leben gekommen, als vor einer Moschee eine Autobombe explodierte, unter ihnen Schiitenführer Hakim. Die Gewalt droht zu eskalieren.

Bei der Explosion einer Autobombe in der südirakischen Stadt Nadschaf sind am Freitag mindestens 124 Menschen getötet und weitere 229 verletzt worden. Das berichtet der US-Sender CNN unter Berufung auf Krankenhausmitarbeiter.

Unter den Toten ist auch der Chef des Obersten Rats der Islamischen Revolution (SCIRI), Mohammed Bakr al Hakim. Der Anschlag ereignete sich während des traditionellen Freitagsgebets. Zunächst war über Lautsprecher verkündet worden, Hakim sei unverletzt geblieben.

Der Sprengsatz detonierte, als das traditionelle Freitagsgebet gerade endete und zahlreiche Menschen das Gebäude verließen.
Heilige Stätte der Schiiten
Gegenüber dem betroffenen Gebäude stürzte zudem ein Restaurant ein, hieß es weiter. Sich darin befindliche Gäste wurden demnach unter Trümmern verschüttet. Außerdem seien fünf Fahrzeuge zerstört worden. Eines davon soll mehr als hundert Meter geschleudert worden sein.

In dem Grabmal am Südeingang der Moschee liegen die Gebeine des ersten Imam Ali, Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, auf den die schiitische Glaubensrichtung im Islam ihre Entstehung zurückführt. Das rund 180 Kilometer südlich von Bagdad gelegene Nadschaf ist deshalb eine der wichtigsten heiligen Stätten der Schiiten. Die Volksgruppe war im Irak von dem Regime von Saddam Hussein lange unterdrückt.

Bruder wird Nachfolger
Nach Hakims Tod soll nun dessen Bruder neuer Chef des Obersten Rates der Islamischen Revolution in Irak (SCIRI) werden. Abdel Asis al Hakim sei für diese Aufgabe bereits vorgesehen gewesen, sagte ein SCIRI-Sprecher am Freitag der iranischen Nachrichtenagentur Isna.

Der Sprecher machte Anhänger des gestürzten irakischen Machthabers Saddam Hussein für das Attentat in Nadschaf verantwortlich.

Amnesty international warnt
Politiker in allen Teilen der Welt reagierten bestürzt auf die eskalierende Gewalt in Irak. Die US-Regierung verurteilte das Attentat ebenso wie UN-Generalsekretär Kofi Annan. Das US-Zentralkommando sprach sich angesichts der heiklen Sicherheitslage in Irak für die Unterstützung der US-Truppen durch islamische Länder und den raschen Aufbau einer irakischen Armee aus.

Die Menschenrechtsorganisation amnesty international warnt nun vor einem Bürgerkrieg in Irak. Die Besatzungstruppen müssten ihrer Pflicht nachkommen und Sicherheit und Ordnung in Irak wiederherstellen, forderte die Organisation am Freitag in einer in Kairo veröffentlichten Erklärung.

Nach den jüngsten Gewaltakten drohten Bürgerkriegswirren. Amnesty international nannte es Besorgnis erregend, dass sich die Sicherheitssituation in Irak vier Monate nach Ende der Hauptkampfhandlungen «verschlechtert und keineswegs verbessert» habe.(nz)