netzeitung.deGeheimdienste warnten Bush vor Angriff auf Irak

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Im vergangenen Oktober warnte Bush vor den Folgen der Untätigkeit gegenüber Irak. Nur Tage zuvor hatten ihn die Geheimdienste gewarnt - vor den Folgen eines Angriffs.

Die amerikanischen Geheimdienste haben sich im Oktober 2002 skeptisch zu einem Angriff auf Irak geäußert. Die «Washington Post» berichtet unter Berufung auf einen erst jetzt in Teilen veröffentlichten Bericht, die Geheimdienste hätten im vergangenen Herbst befürchtet, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen weitergeben könnte, wenn der Irak angegriffen wird.

Demnach wurde dem Weißen Haus am 2. Oktober vergangenen Jahres eine «Nationale Geheimdienst-Einschätzung» (NIE) vorgelegt, der zufolge Hussein Waffen an Terroristen wie die Al Qaeda weitergeben könnte, wenn er davon ausgehen müsste, dass sein Regime zusammenbricht.

In der entscheidenden Stelle des Berichts heißt es, «Saddam könnte, wenn er genügend verzweifelt ist, entscheiden, dass nur eine Organisation wie die Al Qaeda einen Anschlag verüben kann, wie er ihn erhofft».

Der Bericht wurde nur fünf Tage vor einer Rede von US-Präsident George W. Bush in Cincinnati am 7. Oktober veröffentlicht. Damals hatte dieser gewarnt, Hussein arbeite an einem Atomprogramm und an unbemannten Flugzeugen für chemische und biologische Angriffe. Wenn man sich ihm nicht widersetze, werde er zu einer Gefahr für die USA und die ganze Welt. Lediglich in einer kurzen Passage erwähnte Bush damals, Hussein könne angesichts seines drohenden Sturzes auf «verzweifelte und grausame Maßnahmen zurückgreifen».

Neue Fragen statt Antworten
Die US-Regierung hat den Bericht nun teilweise für die Öffentlichkeit freigegeben, um zu belegen, dass die Geheimdienste tatsächlich von einer Bedrohung durch den Irak ausgingen. Die «Washington Post» schreibt, der Bericht werfe aber neue Fragen auf. Bush hatte in seiner Rede behauptet, Irak sei «jederzeit» zu einem Angriff bereit. Davon aber war in dem Geheimdienstbericht nicht die Rede.

Das Weiße Haus versuchte dies nach Angaben der Zeitung auch gegenüber dem US-Kongress zu verschleiern. Als dort im Herbst über eine Unterstützung für Bushs Kriegskurs debattiert wurde, stellte die Regierung den Abgeordneten eine 25-seitige Zusammenfassung des 90-seitigen NIE-Berichts zur Verfügung. Erst auf Nachfrage des demokratischen Geheimdienstausschuss-Vorsitzenden Bob Graham erhielten die Abgeordneten drei weitere Seiten zugestellt: Darin befand sich auch die Stelle, in der darauf hingewiesen wird, dass Hussein nur bei einem Angriff mögliche ABC-Waffen verwenden würde.


Für das Web ediert von Peter Müller