18.07.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Wider besseres Wissen soll US-Präsident Bush den Irak-Krieg mit angeblichen Uran-Geschäften Iraks mit Niger gerechtfertigt haben. Trotz Warnung der CIA ließ Bush laut einem US-Sender die Aussage in seiner Rede.
Die US-Regierung hat trotz Warnungen des Geheimdienstes darauf bestanden, eine umstrittene Passage in der Rede von Präsident George W. Bush zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs zu belassen. Das berichtet der US-Fernsehsender MSNBC. In der Passage ging es um angebliche Uran-Geschäfte Iraks mit Niger.
Bush hatte in seiner Rede zur Lage der Nation im Januar die Falschinformation aus einem Irak-Dossier der britischen Regierung übernommen. Ein Vertreter des Nationalen Sicherheitsrates, Robert Joseph, habe den zweifelhaften Hinweis auf angeblich geplante irakische Uran-Käufe in Niger unbedingt im Text haben wollen, berichtete der Sender. Dies habe ein Agent des Geheimdienstes CIA als Zeuge vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats ausgesagt.
Warnung vor zweifelhaften InformationenDemnach versicherte der Agent vor dem Ausschuss, die CIA habe Joseph bei der Vorbereitung der Rede gewarnt, dass die Informationen zu dem Uran-Geschäft zweifelhaft und die dort angegebenen Mengen nicht beweisbar seien. Daraufhin habe der Regierungsvertreter vorgeschlagen, sich auf einen Bericht des britischen Geheimdienstes zu beziehen, um die Behauptung weiter aufstellen zu können.
Bush hatte am 28. Januar bei seiner Rede zur Lage der Nation gesagt, Großbritannien habe Kenntnis davon, dass der damalige irakische Machthaber Saddam Hussein in Afrika Uran für Atomwaffen zu kaufen versucht habe. Die US-Regierung ist wegen dieser Passage in den vergangenen zwei Wochen in die Kritik geraten. CIA-Geheimdienstchef George Tenet übernahm daraufhin die Verantwortung dafür, dass die These nicht aus Bushs Rede herausgestrichen worden war. Der US-Präsident sprach ihm anschließend das Vertrauen aus.
Straw: «Verlässliche Informationen»Die britische Regierung ist weiterhin davon überzeugt, dass die Informationen über das angeblich geplante Geschäft zutrafen. Im Herbst, als die CIA dies prüfen wollte, habe der britische Außenminister Jack Straw versichert, dass seine Regierung über «verlässliche Informationen» verfüge, diese jedoch nicht an die USA weitergeben könne.
Straw warf der CIA vor, den Briten verheimlicht zu haben, dass der frühere US-Botschafter Joseph Wilson bei einem Besuch in Niger im Februar 2002 keine Belege für einen geplanten Handel mit Irak gefunden hatte.
Bush und Blair demonstrieren EinheitInmitten wachsender Zweifel an der Rechtfertigung des Irak-Kriegs verteidigten US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair am Donnerstag in Washington jedoch ihr Vorgehen im Irakkonflikt. Der Sturz des irakischen Staatschefs Saddam Hussein habe sich für Irak positiv ausgewirkt.
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Weißen Haus sagte Bush am Donnerstag, er «glaube fest daran», dass Saddam Hussein versucht habe, sein Atomwaffenprogramm wiederherzustellen. «Ich glaube, wir werden die Wahrheit herausfinden.» Das werde alle Spekulationen beenden. (nz)