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Boykottieren für Fortgeschrittene

03. Apr 2003 16:01
McDonalds-Boykott in Marseille
Das Waschmittel Ariel hat im Nahen Osten keine Chance, jedenfalls nicht, so lange in Israel ein Ministerpräsident regiert, der den Vornamen Ariel trägt. Doch nicht immer wird einem das Boykottieren so leicht gemacht.

Thema: Krieg gegen Irak
Die Aufrufe zum Boykott von US-amerikanischen Produkten haben in Deutschland zugenommen. In immer mehr Kneipen verzichten die Wirte auf den Ausschank von amerikanischem Whiskey, in den Küchen fehlt der Heinz-Ketchup und statt Coca-Cola gibt es deutsche Afri-Cola oder, ganz korrekt, die arabisch-französische Mecca-Cola.

Mehr in der Netzeitung:
Boykott als Protestform hatte nicht nur in Deutschland schon Erfolg. Nestlé und Shell mussten das bereits anerkennen. Doch wenn sich der Boykott nicht gegen einzelne Firmen sondern ganze Staaten richtet, wird es problematisch. Denn wegen der globalisierten Wirtschaftsstrukturen ist die nationale Herkunft von Produkten nicht immer leicht erkennbar.

Mondamin und Marlboro

Kaum ein Kunde kann heute noch wissen, welches Produkt zu welcher Firma gehört. Kuschelweich, Rama, Mondamin, Karl Lagerfeld sind heute genauso amerikanische Produkte wie Marlboro oder Windows. Doch da Firmenteile häufig den Besitzer wechseln, kann sich das auch schnell ändern, und dann helfen auch die verbreiteten Tabulisten nicht immer.

So finden sich die Shampoos der Wella AG zurzeit auf den Boykottlisten in den Vereinigten Staaten. Dabei müssten sie auf den europäischen Listen stehen. Denn der US-Konzern Procter and Gamble hat vor kurzem die Wella AG geschluckt.

Evian aus Amerika

Ebenso verhält es sich mit dem Tafelwasser Evian aus den französischen Bergen. Der Softdrink-Produzent Coca-Cola besorgt nicht nur den Vertrieb in den Vereinigten Staaten, sondern hält auch die Mehrheit an dem scheinbar französischen Unternehmen.

Pech hat auch der Rasierklingen- und Kugelschreiberhersteller Bic. Obwohl als französisch-amerikanisches Unternehmen nicht boykottverdächtig, verzeichnet es im Nahen Osten einen Umsatzrückgang, weil es dort als amerikanisch gilt.

Mehr im Internet:
Dass Procter and Gamble mit seinem Waschmittel »Ariel« in Ägypten boykottiert wird, jedenfalls solange der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon heißt, ist ebenso skurril wie der Aufruf keine «Pepsi» zu kaufen. Denn «Pepsi» könnte «Pay Every Penny to Save Israel» bedeuten. (nz)

 
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