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Gefangene als Propaganda-Material

24. Mrz 2003 12:30, ergänzt 16:35
Irakische Überläufer ergeben sich britischen Truppen
Die US-Regierung warnt Irak davor, amerikanische Gefangene zur Schau zu stellen. Man betrachte dies als Kriegsverbrechen und werden entsprechend handeln.

Thema: Krieg gegen Irak
Die amerikanische Regierung ist «schockiert» darüber, dass vom irakischen Fernsehen gefangene amerikanische Soldaten gezeigt wurde. Das zumindest berichtet CNN. Auch das Internationale Rote Kreuz meint, dass diese Bilder gegen die Genfer Konvention verstoßen. Nach Einschätzung des IKRK gilt dasselbe aber auch für die Bilder von irakischen Kriegsgefangenen, die vom US-Fernsehen gezeigt wurden.

Die Reaktionen der amerikanischen Medien lassen darauf schließen, dass die Bilder als nicht sehr positiv für die Stimmung im Land eingestuft werden: Nur ein einziger Sender zeigte sie und wurde dafür indirekt zur Ordnung gerufen. Dies sei «unglücklich», so Verteidigungsminister Donald Rumsfeld auf CNN.

Am Montag ermahnten Präsident George Bush und Rumsfeld auch den Kriegsgegner. Wer Kriegsgefangene misshandele werde wie ein Kriegsverbrecher behandelt, so Bush. Man erwarte, dass Irak alle Gefangenen «human behandelt, so wie wir auch alle irakischen Gefangenen behandeln».

Der irakische Informationsminister betonte am Montag, Irak verfahre mit seinen Kriegsgefangenen selbstverständlichen nach den Vorgaben der Genfer Konvention.

Zur Schau gestellt

Rumsfeld nannte die Zurschaustellung einen Verstoß gegen die Genfer Konvention. Laut Artikel 13 des dritten Genfer Abkommens müssen Gefangene vor öffentlicher Neugier, zum Beispiel durch «zur Schau stellen», geschützt werden.

Auch über die von den US-Truppen gefangene Iraker gab es Ende vergangener Woche mehrere ausführliche Medienberichte - mit Bildern.

Auch die USA fühlen sich offenbar nicht immer an die Genfer Konventionen gebunden. Dort ist festgelegt, dass jeder Kombattant, der in die Gewalt einer gegnerischen Partei gerät, automatisch und ohne Einschränkungen Kriegsgefangener ist.

Doch den in Guantanamo gefangenen Taliban-Kämpfern werden die im Genfer Abkommen festgelegten Rechte verweigert. Laut den USA handelt es sich bei ihnen «illegale Kämpfer» – ein Begriff, den es im Völkerrecht nicht gibt.

Psychologischer Krieg

Bilder von gefangenen oder getöteten Soldaten sind auf vielen Seiten eingesetzter Teil der so genannten psychologischen Kriegführung. In Somalia zum Beispiel ließen Bilder von durch die Straßen von Mogadischu geschleiften amerikanischen Leichen die Unterstützung in den USA für den Einsatz dramatisch einbrechen.

Auf CNN beteuerte ein Regierungsmitglied nun, dass die irakischen Bilder das Gegenteil provozieren werden: «Dies verstärkt nur die Entschlossenheit des Präsidenten gegen das inhumane Regime von Saddam Hussein.» (nz)

 
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