«Wir werden das Festnetz nicht ersetzen»
Niklas Zennström: Je mehr die Leute sich an die Technik gewöhnen, umso normaler wird es für sie, Anrufe über den Computer oder WLAN-Geräte zu tätigen. Wir wollen Skype so weiterentwickeln, dass es auf den verschiedensten Plattformen und Komponenten läuft. Und das sollte helfen, dass immer mehr Leute das Internet zum Telefonieren benutzen - und nicht mehr das traditionelle Festnetz. Ich glaube aber nicht, dass die traditionelle Telefonie aussterben wird. E-Mail hat ja auch nicht das Ende der Fax-Technik eingeleitet.
Netzeitung: Wo will Skype hin?
Zennström: Unsere Mission ist es, einfache, verlässliche und freundliche Kommunikationswerkzeuge anzubieten. Und die Technik soll die Internet-Telefonie über das hinaustreiben, was im regulären Telefonnetz möglich ist. Die Leute können global mit Freunden, Familienmitgliedern und Kollegen kommunzieren - und das kostengünstig. Außerdem ist unsere Tonqualität deutlich besser als früher. Unsere Nutzer sollen auf neue Arten kommunizieren können - in einer globalen Ära, wie wir meinen.
Netzeitung: Welche Vorteile hat Skype gegenüber dem alten Festnetz?
Zennström: Erstens sind wir kostengünstiger, weil Skype-Anrufe intern kostenlos sind und Anrufe ins Festnetz egal wo hin soviel kosten, wie ein Ortsgespräch. Durch die P2P-Architektur ist auch die Anrufqualität besser. Zusätzliche Geräte benötigen die User nicht - ein Headset reicht aus. Außerdem ist Skype sehr einfach zu bedienen, man muss es einfach herunterladen und es läuft innerhalb weniger Minuten. Daneben werden alle Anrufe verschlüsselt, das gilt auch für Dateien, die man mit Skype verschicken kann. Der Dienst ist außerdem mobil - man kann Skype von jedem Punkt der Erde nutzen, wo es Internet gibt.
Netzeitung: Was erwarten Sie vom deutschen Markt? Wird Skype Einfluss auf das Geschäft der Telekom haben?
Zennström: Deutschland ist auf Rang vier der Länder, in denen Skype am meisten benutzt wird. Hier gibt es 1,8 Millionen registrierte Benutzer. Dementsprechend sind wir hier schon sehr weit, was die Annahme der Technik betrifft. Dementsprechend wird es die Deutsche Telekom berühren, sobald die Leute merken, dass Internet-Telefonie günstiger ist und bessere Funktionen als das traditionelle Festnetz bietet. Aber auch hier gilt: Skype wird es nicht ersetzen.
Netzeitung: Der skandinavische Markt ist noch weiter entwickelt.
Zennström: Die Skandinavier haben immer zu den «Early Adopters» bei der Internet-Technologie gehört. In Schweden liegt das an der Breitband-Infrastruktur, die von der Regierung befördert wurde und die überall High-Speed-Zugänge erlaubt. Langsame Modem-Zugänge halten die Menschen dort nicht zurück.
Das Gespräch führte Michael Maier

